AMOS und der kleine Unterschied

11. März 2010
von Per Inradi

„Nun beruhige dich doch wieder. Was zum Teufel ist denn nur passiert?“

Opa Hermann richtete die verrutschte Augenklappe und nahm seinen kleinen Freund in den Arm, der heftig atmete.

„Stell dir vor: Die Urlaubsvertretung in der Trinkhalle will nicht glauben, dass wir beide im Internat sind. Da habe ich mich vielleicht mal aufgeregt und ganz doll geschimpft.“

Opa Hermann sah ihn verständnisvoll an und schob einen heißen Kakao rüber.

„Sie hat ja auch recht und das stimmt ja auch. Wir beide sind im INTERNET.

Ein Internat ist eine Schule, wo man auch wohnen kann.“

„Ach…“ Enttäuscht sackte das gefährliche Piratenschaf in sich zusammen. Aber schnell hatte es auch wieder eine Idee.

„Wenn das so ist, dann können wir doch einmal Briefe – sozusagen an uns selbst – schreiben, dass wir ganz schön im Internet sind. Ist das nicht eine tolle Werbung für uns?“

Opa Hermann streichelte ihm über das lockige Köpfchen.

„Ein Werbe-Trick, der von hinten kommt, wäre, wenn wir uns selbst schrieben, dass das alles langweiliger Blödsinn ist, den sich niemand anschaut – obwohl wir ja bereits in Europa und Amerika gelesen werden. Dann schreiben daraufhin wütend unsere echten Fans, die ja jede Woche unsere neuen Geschichten lesen wollen.

Nein, wir sollten bescheiden und nett bleiben. Dann lieben uns auch bald die Leute, die uns nicht kennen und es sind ja schon viele, die uns recht gern haben.“

AMOS strahlte. „So wie die nette alte Dame im Kiosk, die gerade in Kur ist und mir sicherlich bald wieder Kakaobohnen schenkt?“

„Ja genau – so wie die und auch ganz andere große und kleine jüngere und ältere Leute. Das kommt alles noch!“

AMOS und das arme kleine Kätzchen

9. März 2010
von Thea Bretten

„Du, AMOS…“ Opa Herrmann goss sich unter dem strafenden Blick des Freundes einen Magenbitter ein. „Guck nicht so streng. Ich habe gerade etwas komisches erlebt. Da fragt mich doch so ein niedliches dreijähriges Mädchen, was es mal wird, wenn es erwachsen ist : Ein Mann oder eine Frau. Das kann man ja heute auch nicht mehr so einfach beantworten.“

Das gefährliche Piratenschaf dachte kurz nach. „Frau! Ich würde sagen, dass die Kleine eine Frau werden müsste.

Aber ich habe eben auch etwas erlebt. Da bellte etwas so ganz zaghaft und hell. Was mochte das nur sein? Ich ging also um die Ecke und da versuchte ein kleines Kätzchen zu bellen. Als fragte ich, was das denn soll und es meinte, es sei ein großer böser Hund.

‚So ein Blödsinn,’ sagte ich ihr ins Ohrchen. ‚Bist du nicht zufrieden, dass du ein hübsches Kätzchen bist und willst nun wirklich, dass ich glaube, du wärest ein großer böser Hund, so mit struppigem Fell und großen Zähnen?’“

„Das hast du wirklich zu dem armen Kätzchen gesagt?“ Opa Hermann goss sich noch einen zweiten Magenbitter ein. „Und was hat es dann gemeint?“

„Es hat ein bisschen geweint, aber ich habe es dann doch getröstet. Wieso fragst du?“

„Na ja – du bist ja auch ein gefährliches Piratenschaf, aber das ist ja wohl etwas völlig anderes. Oder?!“

AMOS war auf die Küchenbank gestiegen und schaute aus dem Fenster, nicht ohne zuvor mit dem rechten Fuß aufzustampfen.

„Genau, das ist schließlich etwas völlig ganz anderes!“

AMOS und das Handwerk in Not

7. März 2010
von Mischar Jung

Wie jeden Mittwoch las Opa Hermann die wöchentlich erscheinende kostenlose Wochenzeitung. Die interessanten Stellen las er seinem kleinen piratigen Freund vor.

„Hör mal, AMOS. Hier steht, dass es dem Handwerk hier in der Region die Lehrlinge ausgehen. Mittlerweile kommen auf einen Lehrling ganze vier Stellen. Im ganzen Land konnten letztes Jahr ganze 10.000 Stellen nicht besetzt werden.“

AMOS verstand nicht, nickte aber wissend und schob seine leere Kakaotasse unauffällig zu dem Opa der gar keiner ist.

Noch während Opa Hermann die Tasse gekonnt wieder auffüllte, ergänzte dieser: „Das ist sehr schade. Das Handwerk droht auszusterben. Stell Dir mal vor, es gebe in Zukunft keine Zimmerleute mehr, die Dächer der Häuser bauen oder instand halten. Dann würden wir im Regen sitzen müssen und Dein Kakao wäre wässrig.“

„Wie wäre es denn, wenn ich Lehrling werde? Ich könnte ja Zimmermann werden!“ erwiderte AMOS eifrig. „Dann baue ich Dächer so hoch wir ein Turm und niemand muss mehr im Regen sitzen. Wenn die Lehrlinge nicht wollen, dann mach ich das eben.“

„Und wie willst Du das anstellen?“ lachte Opa Hermann. „Wir reden hier vom Handwerk, mein kleiner gefährlicher Freund. Du bist von allen doch am wenigsten geeignet.“

Tief enttäuscht senkte AMOS sein Köpfchen und dicke Kullertränen krochen aus seinen tiefschwarzen Augen. „Ich bin zwar belämmert und ver-ver-ver-stehe manchmal nicht alles,“ schluchzte er „aber ich kann sehr f-f-f-fleißig sein.“

Mitleidig nahm der alte Mann das aufgelöste Schaf in den Arm.

„Ich weiß, dass Du sehr fleißig sein kannst. Ganz besonders beim Kakao-Trinken.“ Er band dem kleinen Piraten eine frische Augenbinde um, denn die alte war durchnässt. „Dir fehlen nur die naheliegenden Mindestvoraussetzungen. Reich mir doch bitte mal den Hammer da drüben aus der Schublade.“

„Ja, wie denn ohne Hände!“

„Siehst Du?“

AMOS staunte und Opa Hermann füllte ihm die Kakaotasse wieder auf.