Die Augenklappe war von den Tränchen völlig durchnässt und AMOS konnte damit einfach nicht aufhören.
Das, was passiert war, war so schrecklich, dass er es selbst nicht glauben konnte. Nur eine kurze Zeit war er an Land gegangen und hatte dieses wunderhübsche Schaf-Mädchen dezent beschnuppert, als die Piraten mit ihrem Schiff in dem festen Glauben ablegten, er sei an Bord. Sie hatten es wohl erst bemerkt, als sie schon weiter weg waren. Auf der Suche nach einem Hügel war AMOS auch immer weiter gelaufen und irgendwann verzweifelt eingeschlafen. Wie ein Häufchen Elend hatte er sich wimmernd in einer Mulde hinter einem Strauch verkrochen, als ein Schatten über ihn fiel.
„Erschrecke dich bitte nicht – dir geht es wohl nicht so gut ?!“ Ein hagerer älterer Mann hatte sich über ihn gebeugt und betrachtete die feuchte Augenklappe.
„Ich bin Opa Hermann. Nein, kein wirklicher Opa, weil ich halt keine Kinder habe, aber man nennt mich so. Vielleicht, weil ich mich auch so benehme. Schließlich führt sich ja auch nicht jede Mutter wie eine Mutter auf und Politiker wie Volksvertreter. Dann darf ich auch Opa sein.
AMOS blinzelte gegen die Sonne.
„Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf und habe meine lieben Piratenfreunde verloren.“
Opa Hermann musste ein Grinsen unterdrücken und nach einer Weile des Streichelns band er die Augenklappe auf die andere Seite, erfuhr unter Schlurzen die komplette tragische Geschichte.
„So, deine Freunde haben dir also immer Kakao gekocht und die Augenklappe gewechselt? Das war also deine wahre Familie? Oh, ich verstehe schon, wie du dich nun fühlen musst. Was hältst du davon, wenn du erst mal mit in meine alte Kate kommst und dich beruhigst? Kakao habe ich auch und danach überlegen wir einmal, wie alles weiter gehen könnte.“
Er packte AMOS auf den Anhänger seines alten Fahrrades und erreichte bald die frei stehende Hütte, wo in der Ecke bereits der Igel Jupp schnarchte. Er wickelte seinen kleinen Gast in eine Decke und als er den Kakao gekocht hatte, schlummerte dieser bereits selig, tief atmend und leicht zitternd.
„Ein Piraten-Schaf. Wer hätte heute Morgen gedacht, dass der Tag so verlief. Piraten – gar liebe Piraten habe ich hier ja noch nie gesehen, was aber nichts heißen mag.“
Er griff zur Lesebrille und las den Lokalteil der Zeitung, wo ein aufgepuscht geschildertes Ereignis das nächste jagte, aber ihm nichts wirklich lesenswert erschien. Nur von seinem Fund wollte er in der Zeitung nun wirklich nichts lesen. Es müsste auch so gehen, vielleicht mit der Hilfe von Menschen, die noch nicht so ganz stumpf und abgeflacht geworden sind?
„Eine neue Zeit ist wohl angebrochen. Mein Leben mit AMOS und die Suche nach seinen lieben Piratenfreunden. Na, dass kann ja was werden.“
Die Geschichte wird fortgesetzt – von uns und alle zehn Tage. Aber wie steht es denn um ihre Ideen? Haben sie Lust, mit zu schreiben? Eingeladen sind ganz kleine Kreative bis hin zu ideenreichen Seniorinnen und Senioren.
Was zum Thema passt, wird hier erscheinen … versprochen !!