Archiv für Oktober 2009

AMOS und Irritationen beim Frühstück

Samstag, 24. Oktober 2009
von Inge Dietrich

Der Tisch war gedeckt und draußen tanzten die herab fallenden Herbstblätter im Wind und der brüchige Zaun knarrte im Takt dazu.

„Siehst du, kleiner AMOS, so eine echte Bienenwachs-Kerze auf dem Tisch schafft auch bei unserem einfachen Frühstück eine entspannte und nahezu festliche Atmosphäre, die wir nun in Ruhe genießen wollen.“

Das gefährliche Piratenschaf trank seinen heißen Kakao und Opa Hermann vertiefte sich hingebungsvoll in die Tageszeitung.

„Sag mal, steht da vielleicht auch etwas über meine lieben Piratenfreunde drin?“

Der alte Bergmann sah noch nicht einmal auf. „Nein, lass mal, ich lese gerade einen interessanten Artikel. Mann-o-Mann, da hat aber einer vom Leder gezogen und es den Politikern so richtig gegeben.“

„Opa Hermann, Opa Hermann!!“

Unbeirrt wurde weiter gelesen.

„Opa Hermann – bitte!!“

„AMOS hör auf – da steht nichts über deine lieben Piratenfreunde drin.“

„Aber Opa Hermann…“

„Nun ist es aber mal gut! Darf ich nicht auch mal in Ruhe die Zeitung lesen?!“

Das Piratenschaf senkte beleidigt sein Köpfchen.

„Ich wollte doch nur sagen, dass unten links deine Zeitung brennt.“

AMOS im Krimiland – Teil 3

Sonntag, 18. Oktober 2009

von Per Inradi

„Hey – mein kleiner gefährlicher Krimi-Autor. Ich habe noch etwas für dich.“

AMOS sah skeptisch von seinem Kakaoschälchen zu Opa Hermann hoch. „Eine neue Geschichte? Du meinst was richtig kriminelles?“

„Ja – und nun höre gut zu. Es ist schon eine Zeit her. Auf einem Parkdeck in Frankfurt stand eine sehr gut aussehende und elegante junge Frau verzweifelt neben einem teuren Sportwagen. Sie war in heller Aufregung. Ein Bekannter von mir kam hinzu. Sie flehte ihn an, ihr zu helfen, weil sie ihren Autoschlüssel bei einem Seitensprung vergessen habe, nun aber schleunigst nach Hause müsse. Mein Bekannter war auch kein unbeschriebenes Blatt, fühlte sich als Kavalier angesprochen und geschmeichelt. Er grinste und bot an, den Wagen zu knacken und kurz zu schließen. Die junge Dame war überglücklich und sauste davon. Wenig später kam ein dicklicher Unternehmer und schimpfte wie ein Rohrspatz, denn sein Wagen war weg. Als die Polizei kam, musste mein Bekannter zu geben, dass er ihn aufgebrochen und fahrbereit gemacht hatte.“

AMOS rollte mit dem unverdeckten Auge. „Das war sehr spannend, aber ich habe es leider nicht verstanden.“

Opa Hermann setzte sich zu ihm.

„Also, AMOS, noch einmal von vorn und ganz langsam. In Frankfurt steht ein Parkhaus. Klar?“

Das gefährliche Piratenschaf nickte.

„Und da ist folgendes passiert…“

AMOS und Liebeskummer

Samstag, 17. Oktober 2009
von Curd E. Süllekens

„AMOS, kleiner gefährlicher Freund, watt iss?“

„Nix – ich habe nichts…“

Opa Hermann legte die Zeitung ungefaltet bei Seite und beugte sich über ihn. Plötzlich sah er, dass ihm die Tränchen nur so herunter rollten.

„Ich muss so an die schöne Linda mit ihren goldenen Schaf-Löckchen denken. Ich habe sie doch so lieb und ich vermisse sie.“

Er schluchzte und seine Augenklappe war schon durchnässt. Opa Hermann nahm sie vorsichtig ab.

„Die kommt in die Wäsche und du bekommst eine frische – okay?“

Dankbar nickte das gefährliche Piratenschaf und hielt still, als sie umgebunden wurde.

„Sie soll doch geschoren werden. Und vielleicht friert sie dann?!“

Opa Hermann dachte kurz nach.

„Das gehört zum Schafs-Leben, dass man geschoren wird. So schlimm ist das nicht, denn alles wächst nach. Das kommt auch auf dich zu.“

AMOS reckte sich, zog ein Schaf-Schnütchen. „Opa Hermann, warst du eigentlich auch schon mal verliebt?“

Diesmal setzte der ältere Herr die Lesebrille ab.

„Ja, ich liebte auch einmal jemanden. Ich liebte sie sogar extrem und wollte ihr alles zu Füßen legen. Irgendwann war ihr das zu langweilig oder anstrengend und sie verließ mich. Ich litt so sehr, überlebte das aber unter großen Schmerzen. Dann – zweieinhalb Jahre später – kam der Tag, dass wir uns im Schneeregen zufällig in der City trafen. Sie sah mich nur an und sagte leise, dass sie ohne mich nicht leben konnte. Ich nickte – und ging unter Tränen weiter. Danach fühlte ich mich – trotz noch andauerndem Liebeskummer, wohler.“

AMOS sah ihn an, doch Opa Hermann war noch nicht zu Ende. „Etwas Schönes gehört einem wohl nie allein…“

Das Piratenschaf hatte seinen Huf auf seine Hand gelegt und sah, dass auch er Tränchen in den Augenwinkeln hatte.

„So – nun brauchen wir wohl beide einen heißen Kakao!“, sagte AMOS. Dann drehte er sich noch einmal um.

„Wächst Liebe eigentlich auch nach?!“