AMOS im Krimiland – Teil 1

von Lina Radebeul

„Opa Hermann ?“

„Noch mehr Kakao und du bekommst sicherlich Bauchweh.“

Das gefährliche Piratenschaf rieb sich verlegen mit dem Huf so seine Schafsnase, dass seine Augenklappe verrutschte.

„Aber das meine ich doch gar nicht.“

Sein großer Freund faltete die Tageszeitung und legte sie auf die Anrichte.

„Der Nordwesten ist doch ein Krimiland, hast du jedenfalls gesagt. Hier schreiben viele. Aber kann ich denn nicht auch mal einen Krimi erfinden?“

Die Lesebrille wurde sorgfältig in die dafür vorgesehene Schutzhülle gesteckt und die Blicke trafen sich, während die Augenklappe auf die andere Seite gebunden wurde.

„Dazu brauchst du erst einmal eine Handlung, um die herum du deine Kriminal-Geschichte erzählst. Lass mich mal überlegen.“

In Gedanken versunken goss der ältere Herr noch einmal Kakao in das Näpfchen, worüber AMOS sich bestimmt nicht beschwerte.

„Du, ich glaube, ich habe da was.“

Er kratzte sich am Kinn und begann mit leiser getragener Stimme, woraufhin das Piratenschaf die Ohren weit auf stellte.

„Das ist eine wahre Geschichte und sie ist auch schon über dreißig Jahre her. Alles trug sich in einer Stadt namens Neuss am Rhein zu. Vor einer Bäckerei stand immer das fahrbereite alte Fahrrad des Bäckers – so ähnlich, wie ich eines habe. Es stand da schon immer und war auch nicht abgeschlossen.“

AMOS bibberte vor Aufregung.

„… und da wurde dann in der Bäckerei Kakao gestohlen?!“

Opa Hermann lächelte und streichelte ihm über sein Köpfchen.

„Nein. Aber eines Morgens war das Fahrrad weg – geklaut, gemopst, entwendet. Auch am nächsten Tag war es weg und auch am übernächsten. Aber am dritten Tag stand es plötzlich wieder da. Am Lenker baumelte ein Umschlag. Neugierig öffnete der Bäcker den Umschlag. Drin war ein Brief. Jemand entschuldigte sich wortreich, dass er oder auch sie in einer schlimmen Notlage dringend das Fahrrad nehmen musste. Es gab keine andere Wahl. Als kleine Entschädigung waren da noch zwei Eintrittskarten für ein wunderschönes Konzert. Der Bäcker und seine Frau freuten sich sehr, machten sich schön und gingen zu diesem wundervollen Konzert.”

AMOS schwitzte vor Aufregung. „Und das war jetzt der Krimi?“

„Nein – als sie nämlich bei bester Laune und einem guten Essen danach heimkehrten, war ihre Wohnung komplett ausgeraubt.“

AMOS glaubte, verstanden zu haben, fragte aber noch einmal mit ein paar Tränchen in den Augen nach.

Ja, solche Krimis wollte er mit Opa Hermann schreiben.

Kategorie: Krimiland
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 11:16 Uhr

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