AMOS und die erfundene Zeit
von Corinna Husmann-Bretzler
„Opa Hermann?“
„Nicht jetzt, AMOS, ich lese gerade einen interessanten Artikel.“
Das gefährliche Piratenschaf wippte ganz nervös, so dass die Augenklappe bereits ziemlich verrutscht war. „Aber, was ich dir sagen will ist doch auch so interessant – und wichtig ist es auch.“
Opa Hermann gab der Ungeduld den Vorrang und seufzte.
„Also denn, mein Kleiner, was hast du denn nun wieder ausgeheckt?“
„Nichts ausgeheckt“, protestierte AMOS mit gerümpfter Schafsnase, „ich habe doch etwas ganz tolles erfunden.“
„Eine spezielle Kakaotasse für Piratenschafe? Nein, aber mal im Ernst. Was ist es denn?“
Ganz tief holte er Luft und dann begann AMOS mit würdevoller Stimme. „Es gibt doch eine Sommerzeit und eine Winterzeit. Das ist doch so?! Wenn man jetzt zur Winterzeit einfach die Uhren so umstellt, dass der Wochentag sechsundzwanzig Stunden hat und es am Wochenende achtundzwanzig würden, dann hätten alle Leute doch viel mehr Zeit.“
Opa Hermann schaute nachdenklich über die Lesebrille. „Und wie – bitteschön – sollten dann die Uhren aussehen? Überlege doch mal. Da sind jeweils zwölf Stunden drauf angezeigt. Diese Idee kann man nicht verwirklichen.“
Das gefährliche Piratenschaf senkte enttäuscht sein Köpfchen. „Siehst du – ich habe ja auch noch nicht mal so eine Uhr. Und ein Handy habe ich auch nicht.“
Opa Hermann beugte sich über ihn und band ihm die Augenklappe auf das andere Auge.
„Nun sei doch nicht so traurig. Erfinde doch einfach eine ganz piratige Kakaotasse, wo viel rein passt und gefährliche Burschen wie du ihren Spaß daran haben.“
AMOS sah zu ihm hoch. „Meinst du wirklich?“
„Aber ja doch. Wer anders als du wäre der passende Erfinder?“