AMOS im Krimiland – Teil 2

von Carla van Beeken

„AMOS – höre doch mal.“ Der kleine Möchtegern-Pirat hatte sich gerade in Ruhe die Bilder und Fotos in der Tageszeitung angeschaut. „Du willst doch Krimis schreiben – oder ist das etwa nicht mehr aktuell?“

Das gefährliche Piratenschaf bemühte sich, schnell und kräftig zu nicken, so dass seine Augenklappe verrutschte. Ganz lieb und behutsam band Opa Hermann ihm diese auf das andere – und ebenfalls gesunde Auge, streichelte ihn den ganzen Rücken entlang.

„Du suchst doch Themen für deine Krimis, denke ich mal?“

Natürlich suchte er und dann setzte sich Opa Hermann aufrecht hin und begann mit langsamer Stimme zu erzählen.

„Es war in den fünfziger Jahren und ich war noch nicht sehr groß. Für einen Mann, der auf der ersten Etage in dem Haus wohnte, wo wir unten zwei Zimmer bezogen hatten, durfte ich ab und an Zigaretten in diesen neuen Automaten ziehen. Er wollte immer nur die Marke Juno und die gab es für zwei Mark. Brachte ich ihm die, so bekam ich immer zehn Pfennig, die ich sorgfältig sparte. Auch diesmal wollte ich Juno ziehen und kam gerade an den Münzeinwurf rann. Das Geldstück plumpste durch und – nichts passierte. Ich rüttelte immer verzweifelter und zog, was meine Kräfte her gaben. Nichts! Das Geld war weg. Was sollte ich machen? Zuerst hockte ich mich weinend hin und dann holte ich meine Freunde aus der Kinder-Bande, die mindestens genau so gefährlich war, wie du heute bist. Du musst nämlich wissen, dass damals die Kinder nicht gerade auf Händen getragen wurden und deswegen fest zusammen hielten. Sie kamen schnell und zu viert traten und schubsten wir den Automaten. Dann, durch ein Wunder, löste sich etwas. Ich konnte die kleine Juno-Packung heraus ziehen und das eingeworfene Geldstück fiel heraus. Aber nicht nur das, sondern – wie mir viele Jahre später erst bewusst wurde – auch ein Original Maria-Theresia-Taler. Über die gewonnenen zwei Mark freuten wir uns abgöttisch.“

„Und die Münze?“ fragte AMOS gang aufgeregt.

„Na, wir machten uns auf den weiten Fußmarsch in die Stadtmitte und verkauften sie an einen Briefmarken- und Münzenhändler, der uns glatte vier Mark dafür gab, die wir auch gerecht teilten.“

Das gefährliche Piratenschaf hatte mit gespitzten Schaf-Ohren gelauscht, reckte sich und rümpfte nun skeptisch die Schafsnase. „und wo – bitteschön – ist nun die Krimi-Handlung?!“

Opa Hermann goss ihm noch einen Kakao in sein Schälchen.

“Mehrfach, lieber AMOS. Die Buben waren nicht ehrlich, denn ihnen gehörte eigentlich nichts – außer zehn Pfennig. Die zwei Mark gehörten auch jemand anderem. Und dann der Gipfel. So ein echter Maria-Theresia-Taler aus Österreich war auch damals schon viel mehr wert als vier Mark.“

Kategorie: Krimiland
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 13:08 Uhr

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