AMOS und Liebeskummer

von Curd E. Süllekens

„AMOS, kleiner gefährlicher Freund, watt iss?“

„Nix – ich habe nichts…“

Opa Hermann legte die Zeitung ungefaltet bei Seite und beugte sich über ihn. Plötzlich sah er, dass ihm die Tränchen nur so herunter rollten.

„Ich muss so an die schöne Linda mit ihren goldenen Schaf-Löckchen denken. Ich habe sie doch so lieb und ich vermisse sie.“

Er schluchzte und seine Augenklappe war schon durchnässt. Opa Hermann nahm sie vorsichtig ab.

„Die kommt in die Wäsche und du bekommst eine frische – okay?“

Dankbar nickte das gefährliche Piratenschaf und hielt still, als sie umgebunden wurde.

„Sie soll doch geschoren werden. Und vielleicht friert sie dann?!“

Opa Hermann dachte kurz nach.

„Das gehört zum Schafs-Leben, dass man geschoren wird. So schlimm ist das nicht, denn alles wächst nach. Das kommt auch auf dich zu.“

AMOS reckte sich, zog ein Schaf-Schnütchen. „Opa Hermann, warst du eigentlich auch schon mal verliebt?“

Diesmal setzte der ältere Herr die Lesebrille ab.

„Ja, ich liebte auch einmal jemanden. Ich liebte sie sogar extrem und wollte ihr alles zu Füßen legen. Irgendwann war ihr das zu langweilig oder anstrengend und sie verließ mich. Ich litt so sehr, überlebte das aber unter großen Schmerzen. Dann – zweieinhalb Jahre später – kam der Tag, dass wir uns im Schneeregen zufällig in der City trafen. Sie sah mich nur an und sagte leise, dass sie ohne mich nicht leben konnte. Ich nickte – und ging unter Tränen weiter. Danach fühlte ich mich – trotz noch andauerndem Liebeskummer, wohler.“

AMOS sah ihn an, doch Opa Hermann war noch nicht zu Ende. „Etwas Schönes gehört einem wohl nie allein…“

Das Piratenschaf hatte seinen Huf auf seine Hand gelegt und sah, dass auch er Tränchen in den Augenwinkeln hatte.

„So – nun brauchen wir wohl beide einen heißen Kakao!“, sagte AMOS. Dann drehte er sich noch einmal um.

„Wächst Liebe eigentlich auch nach?!“

Kategorie: Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 10:23 Uhr

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