AMOS und der Drücker

von Per Inradi

Opa Hermann hatte das Klopfen auch auf dem Klo gehört.

„AMOS, mach du mal auf!“

Mit wichtiger Mine eilte dieser zum Eingang und öffnete einen Spalt. Ein jüngerer Mann in einem vormals festlichen dunklen Anzug und mit abgewetzten Turnschuhen gekleidet sah ihn erstaunt an.

„Ich wünsche einen friedlichen guten Morgen! Gerade wurde ich aus dem Gefängnis entlassen und will nun unbedingt Priester werden. Hierzu muss ich aber noch einige Zeitschriften-Abonnements verkaufen. Liest Du vielleicht FOCUS, SPIEGEL, Stern oder Playboy?“

„Wer ist denn da?“, tönte es ungeduldig aus der Toilette.

„Es ist ein Playboy-Priester, der nun ins Gefängnis muss. Soll ich ihm vorher einen Kakao anbieten?“

Die Wasserspülung verriet, dass Opa Hermann bald kommen würde und AMOS wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit für einen gewaltigen Auftritt bleiben würde.

„Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf. Lesen kann ich noch nicht, aber Opa Hermann liest mir das wichtigste aus der Morgenzeitung vor. Hast du nun meine lieben Piratenfreunde gesehen – oder was? Ansonsten flippe ich ganz fürchterlich aus – und Kakao gibt es dann sowieso nicht.“

Nach der zweiten Spülung stand Opa Hermann mit herunter gelassenen Hosenträgern hinter ihm.

„Das hast du piratig gut gemacht, kleiner Freund. Du hast gerade ein Drücker abblitzen lassen, der so versucht, ältere Damen einzuwickeln. Ich bin mächtig stolz auf dich! Alle Achtung!“

AMOS reckte sich, so dass seine Augenklappe verrutschte. “Aber sollten wir ihn denn nicht mal im Gefängnis besuchen?!“

Kategorie: Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 17:50 Uhr

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