AMOS und Erinnerungen an Gert Haucke

von Inge Dietrich

„Opa Hermann, erzähle mir bitte eine Geschichte.“

Der väterliche Freund hockte sich neben dem zusammen gekuschelten Piratenschaf und kraulte es im Nacken, woraufhin es genussvoll die Augen schloss.

„Die Inge kannte doch den Gert Haucke sehr gut, der dich übrigens auch sehr gern mochte, nun aber leider im Himmel lebt. Ihr erzählte er einmal folgende Geschichte:

Auf der Bühne und im Fernsehen musste er ab und an Anzüge und eine Krawatte tragen, was er als privater Mensch hasste. Dementsprechend sah er eben im Freizeitbereich ganz anders aus, so dass man ihn oft nicht erkannte, was sicher auch eine Absicht war.

Irgendwann beschloss seine Mutter, die auch nicht unbedingt arm gewesen sein musste, ihm zu Weihnachten eine Krawatte zu schenken – ungeachtet, ob er das auch so wünschte. Sie ging also in einen Herren-Ausstatter und sah sich die Kollektion an, die pro Stück achtzig D-Mark kosteten und erschrak sichtlich. ‘Sie brauchen ja nicht kaufen, gnädige Frau,’ bemerkte der smarte Verkäufer. ‘Nein – ich will ja, nur kann ich mich nicht zwischen den beiden entscheiden’

Im Endeffekt kaufte sie beide, legte aber unter zumindest gespielten großen Schmerzen jede Mark einzeln neben die Kasse.

Gert Haucke hatte nun die Aufgabe, sich zu freuen und als er und seine Frau zu Weihnachten eingeladen wurden, überwand er sich und trug eine der zwei, was die Mutter auch sofort registrierte.

Freudig begrüßte sie mit den Worten: ‘Ach – die andere Krawatte mochtest du wohl nicht?!’”

Opa Hermann musste selbst lachen, aber dieses leise, denn AMOS, den Gert Haucke wirklich gern gemocht hatte, schlummerte mit gleichmäßiger Atmung.

Kategorie: Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 10:44 Uhr

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