AMOS und der Tannenbaum
von Rainer Dietrich
„Hey AMOS, war jemand hier oder hat sich sonst wie…“ Opa Hermann stockte mitten im Satz und blieb im Türrahmen stehen. Irritiert sah er auf die weihnachtliche Dekoration.
„Das ist unser Weihnachtsbaum!“, verkündete aufgeregt das gefährliche Piratenschaf. „Wie du immer sagst: Man muss schon etwas anders als die anderen sein.“
Einige Augenblicke sagte niemand etwas.
„Nur – lieber AMOS – ein Weihnachtsbaum ist doch ein Fichten- oder Tannenbaum… Du hast hier den Ast der großen Eiche geschmückt, der im letzten Sturm abbrach, als sei es wirklich ein Weihnachtsbaum.“
Beleidigt zog AMOS ein schafisches Schnütchen und senkte seinen Blick, so dass niemand seine Tränchen mitbekomme. Dann fasste er sich und stampfte mit dem linken Huf auf.
„Natürlich weiß ich, dass es eine Eiche mit dem letzten Laub ist. Aber singt man nicht: Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter?! Tannen und Fichten haben doch Nadeln und das hier sind doch wirklich Blätter!“
Mit nachdenklicher Mine gab sich der väterliche Freund geschlagen und gratulierte AMOS zu seinen Überlegungen.
„So viel Kreativität muss schon einen heißen Kakao Wert sein – oder etwa nicht?“
Dankbar und versöhnt schlürfte das gefährliche Piratenschaf und danach sangen sie eng aneinander gekuschelt das schöne Lied vom Tannenbaum mit den Blättern.