AMOS im Krimiland – Teil 5
von Inge Dietrich
Das Pilsken aus Duisburg-Beek schmeckte dem väterlichen Freund, als er fragte: „Sag mal AMOS – du recherchierst doch nach guten Krimigeschichten?“
Das gefährliche Piratenschaf nickte nur so, dass die ausgeborgte Lesebrille nicht von der Schafnase fiel.
„Dann habe ich etwas unter der Rubrik Das Böse im Keller für dich.“
Derlei brauchte man AMOS nicht zweimal zu sagen und er setzte sich artig auf die Küchenbank, spitzte erwartungsvoll die Öhrchen.
„Du weißt ja, dass in den Fünfziger Jahren alles ziemlich anders als heute war und ich recht ärmlich in einem vom Krieg beschädigten und geflickten Mietshaus aufwuchs?“
Ernsthaftes Nicken zeigte die Anspannung. Das hörte sich interessant an.
„Glaubst du denn nun an Geister, kleiner Freund?“
AMOS’ Gesichtsausdruck verriet seine Ratlosigkeit.
„Also damals riet man uns Kindern, dass wir um Gottes Willen niemals in den Keller gehen dürften. Dort verbreitete erst am Ende der steilen Treppe eine Petroleumlampe etwas Licht und alles roch nach Kohlenstaub und modrigen Kartoffeln. Wir hielten uns daran, denn dort sollte ja der schreckliche Bullemann hausen. Das reichte uns und wir hielten uns, trotz riesiger Neugierde zurück.
Die älteren Kinder prahlten damit, dass sie keine Angst vorm Bullemann hatten, doch einmal sah ich ihn wirklich, wie er, schwarz und gedrungen, aus dem Keller hastete und sich in eine der drei großen Zinkmülltonnen stürzte, den Deckel hinter sich zu schlug. Danach machte ich auch darum einen großen Bogen und sah auch nie wieder in eine Mülltonne.“
Opa Hermann nahm noch einen Schluck Bier und grinste, weil AMOS seine Kuscheldecke über den Kopf gezogen hatte.
„Was soll ich sagen. Natürlich gab es damals keinen Bullemann und man wollte nur, dass die Kinder nicht die steile Treppe herunter fielen. Und wenn man nunmal so ungestört war, dann konnte auch der Mann aus dem ersten Stock links dort ungestört seinen Schnaps brennen.“
Das gefährliche Piratenschaf verriet nur durch die rechte Hufspitze, dass es sich unter der Kuscheldecke verkrochen hatte und hauchte in höchster Erregung:
„Und der Bullemann war in Wirklichkeit dann in der Mülltonne?!“