AMOS und ein sehr schwarzer Tag
von Per Inradi
Nichts.
Auch in der hinteren Ecke des Gartens zeigte sich nicht das kleinste Vögelchen. Mag es am Klepper-Regenmantel-Grau des Himmels gelegen haben? Die sonst so freundliche Natur schien den Atem anzuhalten.
Opa Hermann ging vom Fenster weg und hockte sich neben das gefährliche Piratenschaf, dass mit geschlossenen Äuglein bibberte.
„Es wird uns einholen und wir haben nie so sachlich darüber gesprochen. Aber es bringt nichts, wenn wir es schön reden.“
AMOS rieb seine Seite ans Tischbein, weil schwere Anspannung im Raum lag. Die groben Hände des väterlichen Freundes versuchten zu streicheln, was aber nur wie ein Abtasten gelang. Nach den richtigen Worten ringend nahm er das Köpfchen des erschrocken dreinblickenden AMOS in beide Handflächen und schaute bedächtig herab.
„Irgendwann ist man unschuldiges Lämmchen. Das Schicksal wollte, dass Du ein gefährliches Piratenschaf wurdest und die Zeit wechselt die Jahreszeiten. Alles ohne Rücksicht auf das, woran man sich so nett gewöhnt hat.
Auch das, mein kleiner Freund, gehört zum Leben und ich habe Dir immer gern deine Löckchen gekrault, Deine Augenklappe auf die andere Seite gebunden, Kakao serviert. Es nützt alles nichts. Bringen wir es hinter uns.“ Der alte Mann seufzte geqäult.
AMOS versuchte, stark zu stehen, was ihm sichtlich der schlotternden Beinchen schwer fiel. „Ich will es als gefährliches Piratenschaf ertragen aber nun sprich es einfach aus.“
Opa Hermann sah wieder aus dem Fenster.
„AMOS. Liebster AMOS.
Es kommt der Tag näher, an dem du geschoren werden musst. Jedoch habe ich dir bereits einen schönen weißen Troyer bei Leuchtfeuer bestellt. Das sind diese Seemannspullover mit dem Reißverschluss im Rollkragen.“