AMOS und der Schweden-Simulator

von Astrid van Beelen

„Nach Schweden?“

AMOS sah Opa Hermann mit diesem bittend durchdringendem Blick an – wenigstens auf dem unbedeckten Auge.

„Ja, wieder mal ins schöne Schweden!“

Opa Hermann faltete die Tageszeitung zusammen und legte auch die Lesebrille auf die Anrichte.

„Okay – gewonnen, wir fahren heute noch hin. Bringt das dein Herzchen wieder in Achse, gefährlicher kleiner Freund?“

AMOS grinste zufrieden und es schien ihm auch nichts auszumachen, dass seine Kakaotasse schon länger leer war. Nein, er war einfach nur rundherum glücklich, weil es ja nach Schweden ging.

Mit dem gut bepackten Fahrradanhänger und einem AMOS mit rotem Schal darauf trat Opa Hermann manchen Fluch über böse Autofahrer unterdrückend in die Pedalen, aber AMOS schwelgte in Zufriedenheit.

Irgendwann saßen sie am See und sahen die Sonne verschwommen und milchig verschwinden, während der Kakao aus der Thermoskanne langsam zur Neige ging.

„Sind wir nun eigentlich in Schweden?“

Opa Hermann räusperte sich und rang lächelnd nach den richtigen Worten.

„Nun, gefährliches Piratenschaf – natürlich sind wir nicht in Schweden. Um ehrlich zu sein sind wir sind am Sandersfelder See, einer ehemaligen Kiesgrube, wo man Fichten pflanzte. Das könnte doch auch gut in Schweden so aussehen. Wir beide waren schließlich noch nie da aber ich denke einmal, dass das echte Schweden niemals schöner sein könnte. Wichtig ist doch nicht, wo man ist, sondern welche Gefühle man an diesem Ort hat. Man muss sich nur einstellen auf die Natur.

AMOS hatte andächtig zugehört und sah nun auf.

„Aber…“

„Was aber…“

Opa Herrmann war aufgestanden.

„Wir haben zu wenig Kakao mitgenommen.“

Kategorie: Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 09:22 Uhr

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