AMOS und das Pflege-Angebot

von Per Inradi

Das Schweigen dauerte nun schon bald eine Minute.

Den fragenden Blick der glutäugigen Dame mit dem kessen Pferdeschwanz wäre er gern ausgewichen, aber nun stand er ja bereits mitten im Ladenlokal.

„Das stimmt schon“, bemerkte sie mit gerunzelter Stirn. „Wir haben heute wirklich eine kostenlose kosmetische Behandlung für den an Gesichtspflege interessierten Herrn.“

Dann nahm sie ihm kopfschüttelnd und zögernd die Augenklappe ab und legte sie so behutsam an die Seite, als interessiere sich die Spurensicherung der Kriminalpolizei dafür. Sie war ja auch nicht wirklich sauber, aber Morgen würde er eine frische tragen.

„Aber ein Schaf? Egal – Ein Versprechen ist ein Versprechen, mein kleiner Herr.“

„Gefährlich“, plapperte der selbsternannte Held verlegen „und sonst – ich meine nicht heute – bin ich sehr gefährlich. AMOS, das gefährliche Piratenschaf nämlich.“

Sie sah mit viel sagendem Blick auf die Uhr und rührte eine Quark-Ginseng Maske an, die sie alsbald auftrug. Zwei Gurkenscheiben verdeckten AMOS Augen und er hielt ganz still, obwohl er eigentlich einmal austreten musste. Aber es war herrlich auf eine ganz andere Art.

Es wurde ein wenig massiert, gezupft und auch eingesprüht. Mehrmals murmelte er ein anerkennendes „Ah“ und dann ein „Oh“. Derlei ließen also Stars und Manager mit sich machen?

Die Zeit verging wie im Flug. Die Augenklappe wurde sorgsam mit spitzen Fingern auf das andere Auge gebunden.

„Beehren sie uns vielleicht bald wieder,“ grinste sie „und empfehlen sie uns weiter, Herr Pirat.“

Strahlend vor Stolz verabschiedete sie AMOS mit einem tiefen Diener. Nun musste er aber wirklich mal dringend Pipi.

Zu Hause lehnte Opa Hermann bereits an der Gartenpforte. „Sag mal, AMOS, wo warst du denn so lange?! Fast wäre mir dein Kakao übergekocht.“ Er ging voraus in die gute Stube, drehte sich dann aber irritiert um.

„Irgendwas riecht hier jetzt ganz seltsam.“

Kategorie: Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 22:12 Uhr

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