AMOS und das Handwerk in Not
von Mischar Jung
Wie jeden Mittwoch las Opa Hermann die wöchentlich erscheinende kostenlose Wochenzeitung. Die interessanten Stellen las er seinem kleinen piratigen Freund vor.
„Hör mal, AMOS. Hier steht, dass es dem Handwerk hier in der Region die Lehrlinge ausgehen. Mittlerweile kommen auf einen Lehrling ganze vier Stellen. Im ganzen Land konnten letztes Jahr ganze 10.000 Stellen nicht besetzt werden.“
AMOS verstand nicht, nickte aber wissend und schob seine leere Kakaotasse unauffällig zu dem Opa der gar keiner ist.
Noch während Opa Hermann die Tasse gekonnt wieder auffüllte, ergänzte dieser: „Das ist sehr schade. Das Handwerk droht auszusterben. Stell Dir mal vor, es gebe in Zukunft keine Zimmerleute mehr, die Dächer der Häuser bauen oder instand halten. Dann würden wir im Regen sitzen müssen und Dein Kakao wäre wässrig.“
„Wie wäre es denn, wenn ich Lehrling werde? Ich könnte ja Zimmermann werden!“ erwiderte AMOS eifrig. „Dann baue ich Dächer so hoch wir ein Turm und niemand muss mehr im Regen sitzen. Wenn die Lehrlinge nicht wollen, dann mach ich das eben.“
„Und wie willst Du das anstellen?“ lachte Opa Hermann. „Wir reden hier vom Handwerk, mein kleiner gefährlicher Freund. Du bist von allen doch am wenigsten geeignet.“
Tief enttäuscht senkte AMOS sein Köpfchen und dicke Kullertränen krochen aus seinen tiefschwarzen Augen. „Ich bin zwar belämmert und ver-ver-ver-stehe manchmal nicht alles,“ schluchzte er „aber ich kann sehr f-f-f-fleißig sein.“
Mitleidig nahm der alte Mann das aufgelöste Schaf in den Arm.
„Ich weiß, dass Du sehr fleißig sein kannst. Ganz besonders beim Kakao-Trinken.“ Er band dem kleinen Piraten eine frische Augenbinde um, denn die alte war durchnässt. „Dir fehlen nur die naheliegenden Mindestvoraussetzungen. Reich mir doch bitte mal den Hammer da drüben aus der Schublade.“
„Ja, wie denn ohne Hände!“
„Siehst Du?“
AMOS staunte und Opa Hermann füllte ihm die Kakaotasse wieder auf.