AMOS und der kleine Unterschied

von Per Inradi

„Nun beruhige dich doch wieder. Was zum Teufel ist denn nur passiert?“

Opa Hermann richtete die verrutschte Augenklappe und nahm seinen kleinen Freund in den Arm, der heftig atmete.

„Stell dir vor: Die Urlaubsvertretung in der Trinkhalle will nicht glauben, dass wir beide im Internat sind. Da habe ich mich vielleicht mal aufgeregt und ganz doll geschimpft.“

Opa Hermann sah ihn verständnisvoll an und schob einen heißen Kakao rüber.

„Sie hat ja auch recht und das stimmt ja auch. Wir beide sind im INTERNET.

Ein Internat ist eine Schule, wo man auch wohnen kann.“

„Ach…“ Enttäuscht sackte das gefährliche Piratenschaf in sich zusammen. Aber schnell hatte es auch wieder eine Idee.

„Wenn das so ist, dann können wir doch einmal Briefe – sozusagen an uns selbst – schreiben, dass wir ganz schön im Internet sind. Ist das nicht eine tolle Werbung für uns?“

Opa Hermann streichelte ihm über das lockige Köpfchen.

„Ein Werbe-Trick, der von hinten kommt, wäre, wenn wir uns selbst schrieben, dass das alles langweiliger Blödsinn ist, den sich niemand anschaut – obwohl wir ja bereits in Europa und Amerika gelesen werden. Dann schreiben daraufhin wütend unsere echten Fans, die ja jede Woche unsere neuen Geschichten lesen wollen.

Nein, wir sollten bescheiden und nett bleiben. Dann lieben uns auch bald die Leute, die uns nicht kennen und es sind ja schon viele, die uns recht gern haben.“

AMOS strahlte. „So wie die nette alte Dame im Kiosk, die gerade in Kur ist und mir sicherlich bald wieder Kakaobohnen schenkt?“

„Ja genau – so wie die und auch ganz andere große und kleine jüngere und ältere Leute. Das kommt alles noch!“

Kategorie: Belämmerung
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 19:01 Uhr

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