AMOS und die Qual der Wahl

von Rainer Dietrich

Mit einem geräusperten ‚Hm!’ leitete AMOS ein, dass er etwas wichtiges sagen wollte und erreichte so, dass Opa Hermann von der Zeitungslektüre auf sah.

„Stell dir mal vor, Leute haben genug Geld, also viel mehr als wir.“

Der alte Bergmann nahm die Lesebrille in die Hand. „Das brauche ich mir nicht erst vorzustellen. Die gibt es doch überall – hier und auch da. Wie kommst du denn jetzt darauf?“

„Nun – die überlegen doch alle, wo sie im Urlaub hinfahren, was sie einkaufen und

so.“

„Ja. Und?“

Das gefährliche Piratenschaf reckte sich so, dass die Augenklappe verrutschte und ihm reflektorisch auf die andere Seite gebunden wurde.

„Sieh mal. Du trinkst gern ein Pilsken aus dem Ruhrgebiet und ich Kakao. Wenn wir beide uns noch alles Mögliche aussuchen könnten, ja, dann fingen die Probleme doch erst an. So wissen wir bereits vorher, was wir mögen, ohne Aufregung und mit ganz großer Vorfreude – immer wieder neu.“

Opa Hermann war aufgestanden, hatte die Fäuste in die Seite gestemmt und sah aus dem Küchenfester.

„Gar nicht mal so blöd nachgedacht, kleiner gefährlicher Freund. Das stimmt auch, denn wer die Wahl hat, hat die Qual und die Ruhe ist dahin, einfach dem Angebot gewichen. Darüber habe ich so noch nie nachgedacht.

Hat man nicht viel, freut man sich über das, was da ist und entwickelt eine gewisse Zufriedenheit, verstopft sich nicht den klaren Blick für Interessantes und Neues.“

Mächtig stolz auf seinen Beitrag kuschelte sich AMOS an den alten Bergmann.

„Wäre das denn nicht schön, wenn Du Dir jetzt ein Pilsken öffnest, eingießt und mir einen Kakao kochst?!“

Kategorie: Fragen ans Leben,Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 21:30 Uhr

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