AMOS und die Firmung
von Per Inradi
„Samstags mussten wir – gewaschen und gekämmt mit sauberen Fingernägeln – zur Beichte. Sonntags um neun in die Messe, wo Namenslisten geführt wurden und nachmittags um drei zum Christenunterricht als Vorbereitung zur Firmung. Das Wochenende war somit keines in unserem Sinn und Sünden zur Beichte musste ich erfinden. Aber dann kam der Tag der Firmung.
Es war ein heißer Sommertag des Jahres 1957 und der vermeintlich schwer Herzkranke Weihbischof war extra angereist. Man sah ihm auch sein Leiden an, weil er nämlich eine dunkelrote und leicht violette Gesichtsfarbe hatte.
Die beiden Messdiener taten am Altar das, was sie immer taten: Sie nippten am Messwein. Was sie nicht wussten, war jedoch, dass es diesmal Korn war, der mittlerweile lauwarm schmeckte. Hinten im Kirchenschiff betete ein Sextett frommer Frauen, wie sie immer dort saßen und kontinuierlich beteten.
Der Pfarrer beobachtete argwöhnisch, wie erst einer, dann der zweite Messdiener schnarchend umkippte. Mein lachen hallte in der Akustik und das Schallen der Ohrfeige des Pfarrers ebenfalls. Der Weihbischof bekam das nicht mit und setzte an, den ersten Knaben zu firmen, der allerdings schon vierzehn war und nicht so jung wie ich. Mit seinen Eltern – einem Metzgerehepaar, förmlich breit wie hoch – war er gekommen und privat begeisterte ihn auch noch sein Boxtraining.
Nach einem lateinischen Text setzte der geistliche Würdenträger sitzend zur symbolischen Ohrfeige an. Der Heranwachsende wich, nach gelernten Boxreflexen, aus, ohne das böse gemeint zu haben.
Der verärgerte Weihbischof ermahnte und wiederholte.
Diesmal wich der Junge zur anderen Seite aus, was den Ärger steigerte.
‚Noch einmal und du wirst nicht in den Kreis Gottes aufgenommen’ tobte er und die frommen Damen bekreuzigten sich vielfach.
Auf mein Lachen kam das Klatschen und diesmal beugte sich der kirchliche Würdenträger nach vorn, verlor das Gleichgewicht und lag fluchend vor dem umgekippten Stuhl.
Nun war das Maß voll und das Reich Christi hatte keine Lust mehr. Dann sprang der Vater auf und fuchtelte mit dem Finger. ‚Der Junge wird, wie ich, Metzgermeister, Du besoffenes Schwein. In euren Verein muss er deswegen nicht. Kommt, wir gehen!’
Ich brüllte vor Lachen und auch die Schläge konnten mich dabei nicht bremsen.
Der Pastor eilte an den Altar und ohrfeigte die schnarchenden Messdiener wach und die alten Damen baten Gott um Verzeihung. Alles würde ein schreckliches Nachspiel für uns haben, brüllten der Pfarrer und der schwerst alkoholkranke Weihbischof im Chor.
Ja, so war das damals, kleines gefährliches Piratenschaf.“