AMOS und der Bankräuber
von Per Inradi
Warum holte Opa Hermann seine Kontoauszüge nicht selbst ab? Immer wieder das gleiche Procedere. Darf ein Piratenschaf das? Kann es sich ausweisen? Erlaubt der Datenschutz derlei und was sagen die Vorschriften? Dabei lagen denen doch schon mehrere Vollmachten vor.
„Auf den Boden! Überfall! Geld her, aber flott!“
AMOS sah auf den Boden, als die Gestalt mit der Sturmhaube und dem Klepper-Regenmantel ihn fast umrannte.
Einige Zeit später war richtig Leben im Schalterraum.
„Der Reihe nach! Wer will nun ganz genau etwas gesehen haben?“
Kommissar Wellmann legte seinen Schreibblock auf den Tresen und musterte AMOS argwöhnisch.
„Ein Schaf? Nun, die Kriminalität ist ja auch kreativ, aber zur Sache. Hast Du irgendetwas an dem Täter bemerkt? Mich interessiert aber nur, was du wirklich beobachtet hast. Also keine Interpretationen, Mutmaßungen, keine Geschichtchen – verstanden?“
„Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf und suche…“
„Geschenkt – wie sah der Mann aus?!“
„…er war etwa eins-siebzig groß, leicht verfettet. Bekleidet war er mit einem dunkelblauen Konfirmationsanzug. Sein Gesicht war rundlich und die Augen lagen eher dicht zusammen. Haare hatte er nicht mehr viele und seine Nase war so wie bei einem Igel.“
„Ein Igel als Bankräuber? Das hatten wir auch noch nicht.“
„Nein! So wie ein Igel damit immer schnüffelt, aber die Ohren waren eher die von einem Ferkel. Und er lispelte leicht.“
Wellmanns Assistent klatschte anerkennend, denn solche detaillierten Beschreibungen führten immer schnell zur Festnahme.
„Quatsch! Blödsinn! Aufhören! Der Idiot hat doch gerade den Filialleiter beschrieben!“ Wütend riss der Kommissar die erste Seite von dem Schreibblock und warf sie verächtlich weg.
AMOS schaute tief beleidigt zur Seite, wo mittlerweile auch die Presse anwesend war.
„…aber Opa Hermann sagt doch immer, dass die Banker die allergrößten Banditen seien!“