AMOS und die witzigen Thäue
von Rainer Dietrich
„Opa Hermann, ich kann nicht einschlafen“, lugte das gefährliche Piratenschaf unter seiner Kuscheldecke hervor. „Kannst du mir nicht noch eine Geschichte aus deiner Jugend erzählen?“
Der väterliche Freund sah leicht genervt herüber. „EINE Geschichte – und dann wird ein Schläfchen gehalten, klar?!“
„Klar!“
„Also. Damals im Viertel gab es die Gebrüder Thau, drei herzensgute Lausbuben, die man einfach mögen musste. Mitten auf dem Marktplatz stand ein Kiosk, worin ein kleiner älterer Herr saß.
Kamen kleine Kinder und wollten für drei Pfennig Bonbons, dann reagierte er jeweils mit einem Tobsuchtsanfall, dass er für solche Mini-Aufträge keine Lust hatte, das Glas vom Regal zu holen und rannte auch noch hinter ihnen her.
Alles in allem: Ein böser Zeitgenosse und die Kinder trauten sich nicht mehr hin.
Das gefiel aber den Thäuen nicht und sie heckten etwas aus. Jürgen, der Jüngste, hatte den unschuldigsten Blick und klopfte an die Scheibe. ‚Für drei Pfennig gemischte Bonbons bitte. Aber warten sie – ich sage ihnen, welche ich haben will.’
Sofort riss der so angesprochene das gläserne Schiebefenster zur Seite, steckte seinen Kopf heraus und brüllte hochrot angelaufen und die Halsadern schwollen an.
Was Jürgen denn wohl einfiel? Der grinste aber nur breit. Der Mann konnte sich aber nicht beruhigen und schimpfte, was das Zeug hielt.
Gerd, der älteste, hatte etwas seitlich gestanden und schob nun das Fenster zu, wobei er den Hals einklemmte und der arme Mann ins Violette wechselte.
‚Auch Kinder mit ein paar Pfennigen sind Kunden, die du gut behandeln musst! Hast du das verstanden? Wiederhole mal!’
Aber der so eingequetschte konnte nichts wiederholen, weil er nach Luft schnappte, als ich um die Ecke bog und die Szene mitbekam.
‚Seid ihr wahnsinnig? Lasst ihn sofort frei!’
‚Der brauchte mal so etwas – letztens hat er ein Kind gehauen. Aber wir glauben, er macht derlei nie wieder’
Japsend und röchelnd plumpste der hochrote Kopf auf das Fensterbrett und die drei Rächer verzogen sich lachend.“
„Oh – so was auch“ AMOS war entsetzt. „Machen die das etwas etwa heute auch noch?“
„Nein, die sind nun auch schon Mitte fünfzig, aber jetzt wird wirklich geschlafen.“