AMOS und die Mallorca-Frage
von Per Inradi
„Erinnerst Du Dich noch an die Frage im Preisausschreiben, neben welcher Insel Mallorca liegt?“
„Ja, neben Norderney!“
„Nicht so ganz. Ich habe dann Ibiza eingetragen und alles abgeschickt. Zu gewinnen gab es ja eine Woche für zwei auf der schönen Ferieninsel.“
„Haben wir etwa gewonnen?“ Ohne die Antwort abzuwarten, tanzte das gefährliche Piratenschaf auf drei Beinchen und die Blumenvase auf dem Tisch wackelte bedenklich. „Hurrah!! Eine Woche Mallorca, egal wo das auch immer ist.“
„Nun,“ Opa Hermann rang nach den passenden Worten. „Es ist schon so, dass wir gewonnen haben. Aber so ins Flugzeug kannst Du nicht. Da gibt es einige größere Probleme.
Also erst musst du zum Amtstierarzt. Dann sitzt du noch lange in Quarantäne. Die musst du dir so wie ein Gefängnis für eigentlich liebe Tiere vorstellen. So wirklich schön für eine Umsonst-Reise von sieben Tagen ist das wirklich nicht!“
Beim Zuhören war AMOS Gesichtchen immer länger geworden und ein paar Tränchen kullerten über die gekräuselte Schafsnase.
„Sag doch gleich: Die haben etwas gegen gefährliche Piratenschafe! Ich will da auch schon gar nicht mehr hin. So!“
Der väterliche Freund legte AMOS die Kuscheldecke über den Rücken und band die Augenklappe auf die andere Seite.
„Sieh mal – wir haben doch nur eine Briefmarke investiert und nicht viel verloren, außer vielleicht einem schönen geplatzten Traum. Aber darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Wir packen unser Zelt auf unseren Fahrradanhänger und fahren ein paar Tage wirklich nach Norderney. Auf der Fähre wird man sicherlich nicht so viele Schwierigkeiten machen.“
„Dann muss ich aber meinen roten Schal mitnehmen“, plapperte der Kleine, der sich offensichtlich wieder beruhigt hatte. „Und ein paar Pilsken für Dich! Und ganz viel Kakao für mich!“
„Ganz viel Pils für mich und etwas Kakao für dich? Nein – das war nur ein Spaß. Ich wollte dich einfach mal auf den Arm nehmen.“