AMOS und Luisas Rückkehr

von Benno Büllhammer

„Opa Hermann“, das gefährliche Piratenschaf rollte mit dem unverdeckten Auge, „Opa Hermann, jetzt habe ich mal eine ganz aufregende Geschichte.

Vor vielen Jahren hatte einmal eine Familie die Luisa so gern. Vielleicht, weil sie trotz ihrer zwanzig Jahre keineswegs schnell war und eigentlich immer schwieg. Ich denke mal, dass Luisa taub-stumm war. Sie fühlte sich aber dabei äußerst wohl. Durch vielsagende Blicke teilte sie schon mit, was sie wollte.

Vom Großvater der Frau hatten sie ein kleines Wochenendhäuschen in der Eifel geerbt, wo sie ab und an mal ein paar Tage waren. Natürlich durfte Luisa immer mit. Sie war ja auch keine anstrengende Mitfahrerin. Man konnte wohl sagen, dass sie sich in der Eifel auch sehr wohl fühlte.

Doch irgendwann kam jener schreckliche Tag.

Er begann damit, dass Luisa eines Morgens nicht mehr da war.

Zuerst wurde jeder Winkel im Haus abgesucht. Dann war der Garten dran und schließlich teilte man sich mit eiligst herbeigerufenen Freunden auf, um das Gelände nach Luisa abzusuchen.

Aushänge im Supermarkt des nahen Dorfes, einer an der Schule, der Polizei und am Haus des Pfarrers halfen nichts. Von Luisa gab es nicht die kleinste Spur. Sie war und blieb verschwunden.

Der Verdacht, sie sei entführt worden, wurde immer stärker.

Traurig musste die Familie mit ansehen, wie sich die Blätter verfärbten und es langsam auf den Winter zuging mit Trauer um Luisa. Am heiligen Abend war es besonders schlimm und die Kinder stellten eine Kerze für sie ins Fenster.

Die Jahre zogen dahin und die Kinder wurden größer. Partner hatten sie inzwischen und auch ein Auto. Gern traf man sich ab und an noch einmal in Opas Häuschen und sie nahmen die Mutter mit, wobei Vater nachkommen wollte.

Es war die Zeit der ersten Herbststürme und ein fürchterliches Unwetter brach über diese schöne Waldgegend herein. Die Polizei hatte wegen umgestürzter Bäume die Straße gesperrt und riet, lieber umzukehren, aber die Familie erwartete den Vater noch.

Weil der sich gut auskannte, fuhr er kleine Wirtschaftswege, weit weg vom Hauschen. Der Sturm hatte immer noch nicht nachgelassen. Plötzlich fiel Geröll von einer Böschung und plumpste auf die Straße. Er musste aussteigen und erst einmal die Fahrbahn frei machen. Zwischen den Steinen bewegte sich etwas, das ihn zu Tränen rührte.

Es war Luisa.

Nach all den Jahren!

Zu Hause hatte man sich schon Sorgen gemacht und es war nicht nur große Freude, dass der Vater es heil geschafft hatte – er brachte auch Luisa mit!“

„Und wer war nun Luisa?“ Opa Hermann war ziemlich ratlos.

„Na eine ältere Schildkröte – und am selben Abend wurde ihr noch die Telefonnummer auf den Rücken gepinselt.“

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