AMOS und das ehrliche Finden

von Heinz Erdferkel jr.

„AMOS – vielleicht solltest Du ab und an deine Augenklappe mal zu Hause lassen?“

Das gefährliche Piratenschaf sah seinen väterlichen Freund fragend an.

„Na, direkt neben Deinem linken Huf liegt ein Zwei-Euro-Stück. Nicht interessant?“

„Oh toll! Ich habe aber noch nie etwas gefunden… Wer mag es verloren haben? Die oder der ärgert sich jetzt doch bestimmt.“

Der alte Bergmann hob es auf.

„Du kannst jetzt wohl auch kaum die Leute fragen, ob sie zwei Euro vermissen. Dann melden sich wohl alle.“

Das sah Amos ein. Was man findet, hat jemand verloren und man sollte es auch zurückgeben, wenn man halt weiß wohin.

„Opa Hermann, Du bist doch auch so ein ehrlicher Mensch. Hast du schon mal etwas wertvolles gefunden? Konntest du es zurückgeben? Hat man sich riesig gefreut?“

Der alte Bergmann setzte sich ins Gras und zog das gefährliche Piratenschaf lieb an sich heran.

„Ja, einmal war es so. Wir waren damals Heranwachsende und da fand ich doch wirklich einmal eine Art Brieftasche, wo die großen Geldscheine nur so rausquollen.

Ein Freund war in der Nähe und ich zeigte ihm diesen Schatz. Er malte sich aus, was wir damit machen könnten, aber ich nahm den Ausweis aus dem Seitenfach und meinte nur, dass ich alles dorthin brächte.

Es war ein stattlicher alter Bauernhof mit einigen landwirtschaftlichen Großgeräten, umgeben mit Feldern und Weiden voller Rinder und Schweine. Der Bauer öffnete die Türe und freute sich, seine große Brieftasche mit Geld und Papieren wieder zu erhalten.

‚Danke, mein Junge. Das hast du ganz toll gemacht. Aber nun geh mal schön vom Hof. Unser Hund ist nämlich leider unberechenbar bissig.’

Ich verstand die Welt nicht mehr und mein Freund wollte vom Finderlohn hören, den es ja nicht gegeben hatte. Alles war mir entsetzlich peinlich und enttäuscht war ich sowieso.

Ich ging an mein Sparschwein und nahm meine hundert Mark, die ich ihm dann zeigte und ihn zu Eis und Kino einlud.

Seitdem möchte ich eigentlich nichts mehr finden. Kannst du das verstehen?“

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