AMOS und die Oberbilker Romanze

von Per Inradi

„Sag mal, Opa Hermann, waren die Thäue damals wirklich so schlimm?“

Der alte Bergmann setzte die Lesebrille ab und sah das gefährliche Piratenschaf etwas streng an, worauf es sich schnell unter die Kuscheldecke verzog.

„Die Gebrüder Thau waren nie schlimm. Sie waren hochkarätig witzig und verdammt liebenswert, weil sie immer fair waren.“

AMOS grinste verlegen und schielte zur Kakaopackung.

„Was war denn die schönste Geschichte von ihnen. Ich meine, die wirklich Allerschönste?!“

Opa Hermann sah aus dem Fenster, wo Nachbarshund Bello gerade hinter dem Paketboten her rannte.

„Ja, der nach außen hart gesottene Älteste der drei, also Gerd, traf ein ganz niedliches Mädchen namens BEA mit einem unverkennbaren Lächeln, was sie von allen anderen ebenfalls knusprigen Teenagern abhob. Gerd punktete sowieso bei den Damen, aber das war auch für ihn zuviel. Er wurde sehr, sehr ruhig und wirkte abwesend.

Fakt, er hatte sich halt über beide Ohren verliebt – aber richtig!!

Schließlich kam es zum ersten behutsamen und zarten Kuss da, wo heute die Philipshalle steht – ein Kuss, der das Gedächtnis von Gerd nie verlassen sollte.

Wie dass denn damals so war, hatten die Erwachsenen wenig Sinn für die Gefühle der Jugend und diese zarte junge Liebe geriet unter die Walzen des Desinteresses. Die beiden verloren sich aus den Augen, wurden älter, heirateten und bekamen seltsamerweise beide nur Söhne – durchlebten Scheidungskriege.“

AMOS rollten ein paar Tränchen in Richtung Schafsnase und die Augenklappe wurde ganz feucht.

„Nein, kleiner gefährlicher Freund, die Sache geht aber auch noch weiter und irgendwann bekam ich eine Einladung zur Hochzeit von Gerd und BEA mit dem Vermerk, dass achtunddreißig Jahre des Wartens genug seien. Sie haben ganz niedlich geheiratet und die Freunde von einst waren auch alle da.

Heute sind sie Mitte und etwas über die Mitte fünfzig und wohnen wo wohl? Natürlich in der Nähe vom Rhein. Das wäre dann Deine schöne romantische Einschlaf-Geschichte. Aber ist sie nicht herzallerliebst? Nach all der Zeit?“

Das Telefon schellte und Opa Hermann nahm ab.

„Tach ihr zwei! Hier ist Gerd Thau aus Düsseldorf. Ich wollte mich mal wieder melden und hören wie et dann so jeht?!“

Der alte Bergmann lachte: „Wenn man vom Teufel spricht. Das Schnarchen im Hintergrund ist übrigens vom AMOS.“

Kategorie: Kindheitserinnerungen
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 09:34 Uhr

  1. Danke, wir lieben euch!!!!

    Kommentar by beth — 28. September 2010 @ 14:52

  2. Uih, das muss ich Opa Hermann sagen. Er ist nämlich noch unverheiratet.

    AMOS

    Kommentar by AMOS — 29. September 2010 @ 19:12

  3. Ist das süß !!!!!!!

    Kommentar by schafi — 6. Oktober 2010 @ 15:52

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