AMOS und die Hortensie
von Sybille Fluckensteiner
Der alte Bergmann musste sich erst einmal setzen. Er konnte es nicht glauben, was ihm sein kleiner gefährlicher Mitbewohner da zeigte.
„… ich sollte sie einfach nur Martha nennen, denn sie sei ja auch erst knapp über achtzig. Dich fand sie nett – und mich knusprig. Nun schau doch mal, was sie mitgebracht hat.“
Opa Hermann hatte das aber bereits gesehen und stöhnte beim Hinsetzten: „Oh Gott, AMOS! Das ist eine blass-blau/rosane Hortensie!
Natürlich kannst Du es nicht wissen, aber als ich damals zur Zeit des Rock ’n’ Roll zur Kommunion ging, da haben mir gleich mehrere Nachbarn so etwas geschenkt. Ich musste auch den albernen Anzug noch einmal anziehen und mich bei jedem Einzelnen dafür bedanken und beteuern, dass ich mich fürchterlich darüber gefreut habe.
Überlege Dir mal: Ein Siebenjähriger soll sich über solch eine Blume freuen, so wie die immer im Schaufenster der Metzgerei standen. Besser wäre ein nur ganz kleines Eis gewesen, aber die Zeit nach dem Krieg war eben alles andere als kinderfreundlich und locker.
Damals habe ich mir geschworen, dass ich nie wieder einen Blick auf diese Blumen verschwenden werde. Und nun schleppst Du so ein Exemplar an!“
„Martha – meine neue Freundin, die auch FAN ist – und nicht ich“, verbesserte das gefährliche Piratenschaf und rollte mit dem unbedeckten Auge. Und wenn ich Martha eine schöne Blume Wert bin, dann freue ich mich natürlich. Außerdem hast Du mich gerade beleidigt. Ich nehme den Blumentopf dann auch mit unter meine Kuscheldecke.“
„Quatsch – wir stellen ihn auf den Küchenschrank. Dort macht er sich bestimmt gut – aber gießen musst Du ihn.“
Das gefährliche Piratenschaf kräuselte die Stirn. „Ob er auch Kakao mag und dann noch toller blüht?!“
Der väterliche Freund war aufgestanden und drehte sich noch einmal zurück.
„Also AMOS – manchmal glaube ich wirklich, dass Du ein wenig belämmert bist!
Warte mal, ich binde Dir deine Augenklappe auf die andere Seite.“