AMOS und das schwierige Ende von Papenburg
von Per Inradi – mit freundlicher Genehmigung von Gitta Connemann, MdB
„Hab´ keine Angst. Wir finden eine Lösung. Es ist sicher alles nicht so schwierig, wie Du jetzt glaubst.“
Das gefährliche Piratenschaf sah mit durchgeweinter Augenklappe die freundliche Dame an, die sich einfach neben ihn ans Kanalufer gesetzt hatte. Ungläubig blinzelte er sie an, weil ihm bislang noch niemand hier geholfen hatte.
Dann musste er aber auch lächeln. „Obenende – Untenende … Dieses Papenburg ist doch so endlos lang und Opa Hermann wollte mich abholen, aber ich habe mir eben nur Ende gemerkt. Wo ist denn hier nun oben, wo unten – und wo hört alles auf?!“
Schon wieder musste er fürchterlich schluchzen, doch die Lady hockte immer noch neben ihm und hielt ganz lieb seinen linken Huf.
„Es ist ja nichts passiert. Lass´ uns abwarten. Alles wird gut.“
AMOS sah hoch und bat, dass sie ihm die Augenklappe auf die andere Seite band.
Weil er sie sympathisch fand, schüttete er ihr auch sein kleines Schafherz aus und erzählte von seiner großen Liebe zur schönen Linda. Sie lernte er nur kurz kennen, aber da segelten seine lieben Piratenfreunde bereits leider weiter.
Heftig bekräftigte er dann, dass er ansonsten stets sehr gefährlich sei, Seine neue Bekanntschaft nickte daraufhin verständnisvoll bestätigend und äußerst tief beeindruckt.
Das Ost-Ufer, wo er einst gefunden wurde, war ihr ebenfalls bekannt und ansonsten schien sie auch für alles schafisch-menschliche volles Verständnis zu haben. Etwas dezent ließ sie nun durchblicken, dass sie heute noch nach Berlin fahren wollte, worüber AMOS sich wunderte, denn Berlin kannte er noch nicht.
Das schnarrende Geräusch einer älteren Fahrradklingel ließ beide aufhorchen und der erleichterte alte Bergmann winkte vom gegenüberliegenden Ufer und kam herbei.
„Oh AMOS – was tust Du mir an… Ihnen meinen herzlichen Dank, dass sie sich so rührend um meinen heldenhaften kleinen Freund gekümmert haben. Er ist freilich sehr nett, aber genetisch auch etwas belämmert, wie man ihm wohl auch ansieht.
Gestatten: Opa Hermann – ich bin sozusagen sein Ziehvater.“
„AMOS und sein Ziehvater. Wie schön. Ich heiße übrigens Gitta, Gitta Connemann. Leider muss ich jetzt los, um den Zug nach Berlin noch zu bekommen. Aber bald bin ich zurück und dann sehe ich euch sicher noch einmal?! Versprochen? Denn ein Piratenschaf und sein Ziehvater können mir sicherlich viele spannende Geschichten erzählen.“
Opa Hermann grinste nur noch. „Weißt Du eigentlich, wer das war?“
„Nein. Aber Du kennst sie? Hmm …“ Das gefährliche Piratenschaf dachte nach.
Schmunzelnd bemerkte Opa Hermann: „AMOS … Du und die Frauen … immer dasselbe. Was mache ich bloß mit Dir?“