AMOS und zwei Tote

von Florence Tailen-Bretz

„Opa Hermann, wie feiern eigentlich die lustigen Rheinländer?“, schnatterte der ulkige Piraten-Nachwuchs einfach drauf los.

„Also – Du kommst ja auf Fragen. Aber wenn es Dich schon interessiert: Karneval ist es da ganz schlimm. Nur muss man zwischen dem Düsseldorfer und Kölner Karneval unterscheiden – aber beides ist halt für sich toll.

In Düsseldorf, wo ich ja geboren bin und erst später auf die Bergbau-Akademie nach Essen ging, wird am 11. November um 11 Uhr 11 dä Hoppeditz mit Bombenstimmung und viel dunklem Altbier erweckt. Damit ist dann die närrische Zeit eingeleitet.

In Köln haben sie das Gleiche als dä Nubbel, wo alles mit viel hellem Kölsch von Statten geht und auch gewaltiger Stimmung. Das sind übrigens so zwei Phantasiewesen als Puppen, ähnlich wie das Ungeheuer Nessie von Loch Ness – nicht wirklich da, aber von allen heiß geliebt.

Am 11. November um 11 Uhr 11 werden Hoppeditz und Nubbel dann ja wieder mit Trara erweckt.“

AMOS hatte nichts verstanden und war unter seine flauschige Kuscheldecke gekrabbelt.

„Am Aschermittwoch, also nach den berühmten drei tollen Tagen, werden Hoppeditz und Nubbel mit großer Anteilnahme und jammernden, schwarz gekleideten Trauergästen, die oft das Glas ihnen zu Ehren heben, zu Grabe getragen.

Oft sehen die Kölsche auch zum nördlicher gelegenen Düsseldorf und behaupten, dass das kastanienbraune Altbier nur verbranntes Kölsch sei. Aber alles ist freilich nur großer Spaß.“

Das gefährliche Piratenschaf war ganz ehrfürchtig still geworden und lugte nur mit der Nasenspitze unter der Küchenbank hervor.

„Die berühmte Rheinische Fröhlichkeit basiert im Karneval also auf zwei sterbenden Bierfreunden?“

Nein, darüber konnte er nun wirklich nicht lachen. Schweigend griff er nach seinem Kakaobecher.

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