Der neue Supermarkt

von Inge Dietrich

Opa Hermann hatte das gefährliche Piratenschaf in einen der Einkaufswagen gesetzt, damit ihn niemand versehentlich auf die Hufe trat.

„Oh, so etwas riesiges habe ich noch nie gesehen“, AMOS staunte, was man hier alles kaufen konnte – oder sollte.

„Heute koche ich mal chinesisch. Das magst Du doch auch so gern. Chinesisch und eine Tasse Kakao, recht so?“ Der alte Bergmann band dem kleinen Helden die Klappe auf das andere Auge, damit er wirklich nie ein Augenleiden bekommen sollte.

„Aber ich suche nun diese chinesische Soße von dieser amerikanischen Firma. Der Reis davon liegt hier zentnerweise – aber ich finde die Soße nicht.“

Eine junge Angestellte zeichnete vor ihnen Ware aus und half, indem sie sagte, die lägen ganz zurück, hinter dem Gemüsebereich und dann zweimal links – oberhalb sortiert.

Noch einmal den ganzen Weg mit dem Einkaufswagen und durch die vielen Kunden zurück? Nein – das war dann doch zuviel Aufwand und es ging auch ohne. AMOS musste sowieso mal aufs Klo und so trotteten die beiden in Richtung Kasse, legten alles artig auf das Band.

„Haben sie alles gefunden?“ Automatisiert versuchte die Kassiererin zu lächeln.

„Nein – die chinesische Soße lag nicht bei den anderen Artikeln dieser Firma. Und noch mal ganz zurück wollten wir dann auch nicht mehr.“

Die Mine der gerade noch lächelnden Frau wurde belanglos starr. „Und? Was kann ich denn dafür?“

Diesmal lächelte Opa Hermann: „Sicherlich nichts, gute Dame, aber warum fragen Sie uns denn, wenn Sie mit der kritischen Wahrheit nichts anfangen können?“

Ein paar Sekunden lang grinsten sich beide unterkühlt an.

„Stimmt – ein schönes Wochenende!!“, kam wie ein ausgespuckter Fluch herüber.

„Was war das denn? Mochte die uns nicht?“ AMOS verkniff sich, verlauten zu lassen, dass er eigentlich sehr gefährlich sei.

„Ach AMOS, die Leutchen hier werden geschult, höflich zu sein, aber nicht unbedingt, um von innen heraus freundlich zu wirken, was viel nachhaltiger wirken würde. Hast Du das verstanden?“

„Nein, nicht so richtig – aber Gottlob haben wir ja den Kakao gefunden.“

Kategorie: Geschichten
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Veröffentlicht durch: Mischar Jung um 23:19 Uhr

  1. “Sag mal, AMOS, darf ich Dir zeigen wie man selbst eine leckere chinesische Soße kocht?” – “Allerdings, mit so einem gefährlichen Piratenschaf traue ich mich nicht alleine in die Küche. Meinst Du Dein Opa möchte uns begleiten?” Mit einem schelmischen Blick über die Schulter war die seltsame nette Frau schon um die Ecke verschwunden. Sollten Ihr Opa Hermann und AMOS folgen?

    Kommentar by Silvia — 3. September 2010 @ 14:57

  2. “Opa Hermann, Opa Hermann, wollen wir mit der Frau gehen? Vielleicht kriegst Du ja sogar ein Pilsken und ich einen Kakao?”

    Kommentar by Mischar Jung — 4. September 2010 @ 15:40

  3. “Aber natürlich. Doch nur, wenn Ihr versprecht, dass Ihr mir auch wirklich nichts tut …” sagte es, band sich eine Augenklappe um und verschwand bei den http://kochpiraten.tumblr.com/.

    Kommentar by Silvia — 10. September 2010 @ 13:43

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