Archiv für die Kategorie „Geschichten“

AMOS und das arme kleine Kätzchen

Dienstag, 9. März 2010
von Thea Bretten

„Du, AMOS…“ Opa Herrmann goss sich unter dem strafenden Blick des Freundes einen Magenbitter ein. „Guck nicht so streng. Ich habe gerade etwas komisches erlebt. Da fragt mich doch so ein niedliches dreijähriges Mädchen, was es mal wird, wenn es erwachsen ist : Ein Mann oder eine Frau. Das kann man ja heute auch nicht mehr so einfach beantworten.“

Das gefährliche Piratenschaf dachte kurz nach. „Frau! Ich würde sagen, dass die Kleine eine Frau werden müsste.

Aber ich habe eben auch etwas erlebt. Da bellte etwas so ganz zaghaft und hell. Was mochte das nur sein? Ich ging also um die Ecke und da versuchte ein kleines Kätzchen zu bellen. Als fragte ich, was das denn soll und es meinte, es sei ein großer böser Hund.

‚So ein Blödsinn,’ sagte ich ihr ins Ohrchen. ‚Bist du nicht zufrieden, dass du ein hübsches Kätzchen bist und willst nun wirklich, dass ich glaube, du wärest ein großer böser Hund, so mit struppigem Fell und großen Zähnen?’“

„Das hast du wirklich zu dem armen Kätzchen gesagt?“ Opa Hermann goss sich noch einen zweiten Magenbitter ein. „Und was hat es dann gemeint?“

„Es hat ein bisschen geweint, aber ich habe es dann doch getröstet. Wieso fragst du?“

„Na ja – du bist ja auch ein gefährliches Piratenschaf, aber das ist ja wohl etwas völlig anderes. Oder?!“

AMOS war auf die Küchenbank gestiegen und schaute aus dem Fenster, nicht ohne zuvor mit dem rechten Fuß aufzustampfen.

„Genau, das ist schließlich etwas völlig ganz anderes!“

AMOS und die romantischen Songs

Sonntag, 7. März 2010
von Rainer Dietrich

„Wise man said…“

Opa Hermann schwebte mit liebevoll umklammerten Topf durch die Küche und hatte das Radio ganz laut eingeschaltet. „Das ist die Romantik der alten Lieder. Wie die von Elvis“ schwärmte er. „Davon haben kleine gefährliche Piratenschafe wohl kaum Ahnung…“

AMOS schob beleidigt die leere Kakaotasse an den Rand des Tisches. Nein, das musste er sich nicht gefallen lassen.

„Ich mag Roy Orbison, der immerhin auch tolle Songs schrieb und über acht Oktaven sang. ‚Pretty Woman’ gab ja auch diesem fast unanständigen Film den Titel.“

Opa Hermann stellte den Topf ab.

„Und du kennst also Roy Orbison?! Das wüsste ich aber.“

AMOS reckte sich ganz aufrecht auf die Küchenbank. „Es war damals auf der Weide.

Ein Liebespärchen vergaß alles um sich herum und wir Schafe hörten eine ganze CD

dieser wundervollen Lieder und waren hin und weg. Ein Lied fand ich besonders toll, weiß aber bis heute nicht, was es heißt…“

„Roy Orbinson war schon toll…“ Opa Hermann sah den Tränen nahe aus dem Küchenfenster.

Draußen beeilte sich ein Fasan über die Weide zu eilen.

Zwei Spatzen flogen grußlos vorüber.

„Aber wie hieß denn nun das Lied, dass du so gern mochtest?!“

„Ist over…“

AMOS und die Härte im Leben

Samstag, 6. März 2010
von Per Inradi

Erst das zweite Schellen wurde gehört.

„AMOS, geh du mal hin“, knurrte Opa Hermann, der gerade seine Lesebrille putzte.

„Einen wunderschönen Abend wünsche ich dem Herrn. Alles in der Hoffnung, dass die Störung unseren frischen Kontakt nicht betrübt. Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin Holger Matzke und ihr freundlicher Nachbar.“

„AMOS. Ein gefährliches Piratenschaf“, knurrte AMOS wie er gerade von Opa Hermann gelernt hatte. „Haben sie etwa meine lieben Piratenfreunde gesehen?“

„Gefährlich? Na, das sieht doch ein Blinder. Verzeihung – ich meinte die ganz blinden. Piraten sah ich heute noch nicht. Aber etwas anderes, was die Stimmung hebt, hätte ich doch. Wie schön wäre es, wenn man jede Woche eine neue Programmzeitschrift im Briefkasten hätte?“

Nein – AMOS war doch nicht dumm in seiner Belämmerung. Ein Drücker? Ein schleimiger Drücker mit fiesen Tricks, wovon Opa Hermann erzählte?

„Ich glaube es ja wohl nicht. Schnell weg, sonst werde ich ganz fürchterlich gefährlich!“

„Wer war denn da?“ Opa Hermann hatte nun die frisch geputzte Brille auf.

„Ein Drücker. Mit einer Fernsehprogrammzeitung.“

„Mensch AMOS, nein, gefährlicher AMOS. Die Härte im Leben verlangt auch von Dir, dass Du um einiges härter reagierst. Wie kannst du so lange mit diesem Volksverarscher reden? Ich hätte mehr von Dir erwartet.“

Lange sagte niemand mehr etwas, als es noch einmal schellte.

„Hallo, darf ich mich vorstellen? Ich bin Wübbo Janssen. Ihr neuer Nachbar.“

AMOS holte tief Luft.

„Machen wir es kurz. Du siehst doch, dass ich gefährlich bin und Dein blöder Kollege war heute schon hier. Mach Dich schleunigst vom Acker sonst lernst Du mal gefährliche Piratenschafe kennen.“

„Wer war das denn?“ Opa Hermann rührte im Kakao, damit er nicht über kochte.

„Diesmal war es ein Wübbo Janssen. Haargenau die gleiche schleimige Tour, aber diesmal habe ich es ihm aber gründlich gegeben.“

„Wübbo Janssen? Der hat doch da hinten das Haus gebaut. Wo ist er denn?“