Archiv für die Kategorie „Krimiland“

AMOS im Krimiland – Teil 5

Sonntag, 24. Januar 2010
von Inge Dietrich

Das Pilsken aus Duisburg-Beek schmeckte dem väterlichen Freund, als er fragte: „Sag mal AMOS – du recherchierst doch nach guten Krimigeschichten?“

Das gefährliche Piratenschaf nickte nur so, dass die ausgeborgte Lesebrille nicht von der Schafnase fiel.

„Dann habe ich etwas unter der Rubrik Das Böse im Keller für dich.“

Derlei brauchte man AMOS nicht zweimal zu sagen und er setzte sich artig auf die Küchenbank, spitzte erwartungsvoll die Öhrchen.

„Du weißt ja, dass in den Fünfziger Jahren alles ziemlich anders als heute war und ich recht ärmlich in einem vom Krieg beschädigten und geflickten Mietshaus aufwuchs?“

Ernsthaftes Nicken zeigte die Anspannung. Das hörte sich interessant an.

„Glaubst du denn nun an Geister, kleiner Freund?“

AMOS’ Gesichtsausdruck verriet seine Ratlosigkeit.

„Also damals riet man uns Kindern, dass wir um Gottes Willen niemals in den Keller gehen dürften. Dort verbreitete erst am Ende der steilen Treppe eine Petroleumlampe etwas Licht und alles roch nach Kohlenstaub und modrigen Kartoffeln. Wir hielten uns daran, denn dort sollte ja der schreckliche Bullemann hausen. Das reichte uns und wir hielten uns, trotz riesiger Neugierde zurück.

Die älteren Kinder prahlten damit, dass sie keine Angst vorm Bullemann hatten, doch einmal sah ich ihn wirklich, wie er, schwarz und gedrungen, aus dem Keller hastete und sich in eine der drei großen Zinkmülltonnen stürzte, den Deckel hinter sich zu schlug. Danach machte ich auch darum einen großen Bogen und sah auch nie wieder in eine Mülltonne.“

Opa Hermann nahm noch einen Schluck Bier und grinste, weil AMOS seine Kuscheldecke über den Kopf gezogen hatte.

„Was soll ich sagen. Natürlich gab es damals keinen Bullemann und man wollte nur, dass die Kinder nicht die steile Treppe herunter fielen. Und wenn man nunmal so ungestört war, dann konnte auch der Mann aus dem ersten Stock links dort ungestört seinen Schnaps brennen.“

Das gefährliche Piratenschaf verriet nur durch die rechte Hufspitze, dass es sich unter der Kuscheldecke verkrochen hatte und hauchte in höchster Erregung:

„Und der Bullemann war in Wirklichkeit dann in der Mülltonne?!“

AMOS im Krimiland – Teil 4

Samstag, 7. November 2009
von Caja Schwetters

„AMOS, wie weit bist du mit deinem Krimi?“

Das gefährliche Piratenschaf blinzelte mit verrutschter Augenklappe, die auf die andere Seite gebunden werden musste.

„Zumindest bin ich schon ziemlich aufgeregt, denn alles ist so entsetzlich spannend.“

„Also, damals in den frühen Fünfziger Jahren gab es noch nicht so viel Geld, wie später und da trug sich im Nettetal an der holländischen Grenze folgende Geschichte zu. In unregelmäßigen Abständen kam ein Mann rüber nach Nordrhein-Westfalen und hatte immer einen großen Sack auf dem Fahrrad, was er vorsichtig schob. Immer wieder wurde er gefragt, ob er etwas zu verzollen hatte und stets zeigte er schweigend auf den Sack. Dieses Spielchen ging über Jahre und die Zöllner schütteten jeweils den Sack aus, worin sich immer Sand befand. Man untersuchte erst mit der Lupe, dann mit dem Mikroskop, roch daran, versuchte zu schmecken und schickte schließlich Proben ein. Aber es war und blieb Sand – nur Sand, in dem auch nichts versteckt war. Dennoch hörte man nie auf, alles zu überprüfen und die Jahre gingen dahin. Irgendwann waren die Zöllner im Ruhestand und saßen mit dem ebenfalls alt gewordenen Mann in einer Kneipe beim Bier, prosteten sich freundschaftlich zu, gaben ihm auch noch einen Genever aus.

„Nun sage doch mal. Es ist doch auch schon so lange her. Was war nun mit, oder in dem Sand?!“

Der Mann hob sein leeres Schnapsgläschen hoch, was sofort wieder gefüllt wurde und begann leise und grinsend zu sprechen, wobei es die pensionierten Zöllner vor Spannung kaum aushielten.

„Also. Der Sand war völlig unschuldig. Ich habe nur Jahre lang viele Fahrräder geschmuggelt.“

Das gefährliche Piratenschaf war vor Aufregung von der Küchenbank gerutscht. „Und die hatte er also jeweils in dem Sack transportiert?!“

AMOS im Krimiland – Teil 3

Sonntag, 18. Oktober 2009

von Per Inradi

„Hey – mein kleiner gefährlicher Krimi-Autor. Ich habe noch etwas für dich.“

AMOS sah skeptisch von seinem Kakaoschälchen zu Opa Hermann hoch. „Eine neue Geschichte? Du meinst was richtig kriminelles?“

„Ja – und nun höre gut zu. Es ist schon eine Zeit her. Auf einem Parkdeck in Frankfurt stand eine sehr gut aussehende und elegante junge Frau verzweifelt neben einem teuren Sportwagen. Sie war in heller Aufregung. Ein Bekannter von mir kam hinzu. Sie flehte ihn an, ihr zu helfen, weil sie ihren Autoschlüssel bei einem Seitensprung vergessen habe, nun aber schleunigst nach Hause müsse. Mein Bekannter war auch kein unbeschriebenes Blatt, fühlte sich als Kavalier angesprochen und geschmeichelt. Er grinste und bot an, den Wagen zu knacken und kurz zu schließen. Die junge Dame war überglücklich und sauste davon. Wenig später kam ein dicklicher Unternehmer und schimpfte wie ein Rohrspatz, denn sein Wagen war weg. Als die Polizei kam, musste mein Bekannter zu geben, dass er ihn aufgebrochen und fahrbereit gemacht hatte.“

AMOS rollte mit dem unverdeckten Auge. „Das war sehr spannend, aber ich habe es leider nicht verstanden.“

Opa Hermann setzte sich zu ihm.

„Also, AMOS, noch einmal von vorn und ganz langsam. In Frankfurt steht ein Parkhaus. Klar?“

Das gefährliche Piratenschaf nickte.

„Und da ist folgendes passiert…“