von Per Inradi
Erst das zweite Schellen wurde gehört.
„AMOS, geh du mal hin“, knurrte Opa Hermann, der gerade seine Lesebrille putzte.
„Einen wunderschönen Abend wünsche ich dem Herrn. Alles in der Hoffnung, dass die Störung unseren frischen Kontakt nicht betrübt. Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin Holger Matzke und ihr freundlicher Nachbar.“
„AMOS. Ein gefährliches Piratenschaf“, knurrte AMOS wie er gerade von Opa Hermann gelernt hatte. „Haben sie etwa meine lieben Piratenfreunde gesehen?“
„Gefährlich? Na, das sieht doch ein Blinder. Verzeihung – ich meinte die ganz blinden. Piraten sah ich heute noch nicht. Aber etwas anderes, was die Stimmung hebt, hätte ich doch. Wie schön wäre es, wenn man jede Woche eine neue Programmzeitschrift im Briefkasten hätte?“
Nein – AMOS war doch nicht dumm in seiner Belämmerung. Ein Drücker? Ein schleimiger Drücker mit fiesen Tricks, wovon Opa Hermann erzählte?
„Ich glaube es ja wohl nicht. Schnell weg, sonst werde ich ganz fürchterlich gefährlich!“
„Wer war denn da?“ Opa Hermann hatte nun die frisch geputzte Brille auf.
„Ein Drücker. Mit einer Fernsehprogrammzeitung.“
„Mensch AMOS, nein, gefährlicher AMOS. Die Härte im Leben verlangt auch von Dir, dass Du um einiges härter reagierst. Wie kannst du so lange mit diesem Volksverarscher reden? Ich hätte mehr von Dir erwartet.“
Lange sagte niemand mehr etwas, als es noch einmal schellte.
„Hallo, darf ich mich vorstellen? Ich bin Wübbo Janssen. Ihr neuer Nachbar.“
AMOS holte tief Luft.
„Machen wir es kurz. Du siehst doch, dass ich gefährlich bin und Dein blöder Kollege war heute schon hier. Mach Dich schleunigst vom Acker sonst lernst Du mal gefährliche Piratenschafe kennen.“
„Wer war das denn?“ Opa Hermann rührte im Kakao, damit er nicht über kochte.
„Diesmal war es ein Wübbo Janssen. Haargenau die gleiche schleimige Tour, aber diesmal habe ich es ihm aber gründlich gegeben.“
„Wübbo Janssen? Der hat doch da hinten das Haus gebaut. Wo ist er denn?“