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AMOS im Krimiland – Teil 4

Samstag, 7. November 2009
von Caja Schwetters

„AMOS, wie weit bist du mit deinem Krimi?“

Das gefährliche Piratenschaf blinzelte mit verrutschter Augenklappe, die auf die andere Seite gebunden werden musste.

„Zumindest bin ich schon ziemlich aufgeregt, denn alles ist so entsetzlich spannend.“

„Also, damals in den frühen Fünfziger Jahren gab es noch nicht so viel Geld, wie später und da trug sich im Nettetal an der holländischen Grenze folgende Geschichte zu. In unregelmäßigen Abständen kam ein Mann rüber nach Nordrhein-Westfalen und hatte immer einen großen Sack auf dem Fahrrad, was er vorsichtig schob. Immer wieder wurde er gefragt, ob er etwas zu verzollen hatte und stets zeigte er schweigend auf den Sack. Dieses Spielchen ging über Jahre und die Zöllner schütteten jeweils den Sack aus, worin sich immer Sand befand. Man untersuchte erst mit der Lupe, dann mit dem Mikroskop, roch daran, versuchte zu schmecken und schickte schließlich Proben ein. Aber es war und blieb Sand – nur Sand, in dem auch nichts versteckt war. Dennoch hörte man nie auf, alles zu überprüfen und die Jahre gingen dahin. Irgendwann waren die Zöllner im Ruhestand und saßen mit dem ebenfalls alt gewordenen Mann in einer Kneipe beim Bier, prosteten sich freundschaftlich zu, gaben ihm auch noch einen Genever aus.

„Nun sage doch mal. Es ist doch auch schon so lange her. Was war nun mit, oder in dem Sand?!“

Der Mann hob sein leeres Schnapsgläschen hoch, was sofort wieder gefüllt wurde und begann leise und grinsend zu sprechen, wobei es die pensionierten Zöllner vor Spannung kaum aushielten.

„Also. Der Sand war völlig unschuldig. Ich habe nur Jahre lang viele Fahrräder geschmuggelt.“

Das gefährliche Piratenschaf war vor Aufregung von der Küchenbank gerutscht. „Und die hatte er also jeweils in dem Sack transportiert?!“

AMOS im Krimiland – Teil 1

Sonntag, 4. Oktober 2009
von Lina Radebeul

„Opa Hermann ?“

„Noch mehr Kakao und du bekommst sicherlich Bauchweh.“

Das gefährliche Piratenschaf rieb sich verlegen mit dem Huf so seine Schafsnase, dass seine Augenklappe verrutschte.

„Aber das meine ich doch gar nicht.“

Sein großer Freund faltete die Tageszeitung und legte sie auf die Anrichte.

„Der Nordwesten ist doch ein Krimiland, hast du jedenfalls gesagt. Hier schreiben viele. Aber kann ich denn nicht auch mal einen Krimi erfinden?“

Die Lesebrille wurde sorgfältig in die dafür vorgesehene Schutzhülle gesteckt und die Blicke trafen sich, während die Augenklappe auf die andere Seite gebunden wurde.

„Dazu brauchst du erst einmal eine Handlung, um die herum du deine Kriminal-Geschichte erzählst. Lass mich mal überlegen.“

In Gedanken versunken goss der ältere Herr noch einmal Kakao in das Näpfchen, worüber AMOS sich bestimmt nicht beschwerte.

„Du, ich glaube, ich habe da was.“

Er kratzte sich am Kinn und begann mit leiser getragener Stimme, woraufhin das Piratenschaf die Ohren weit auf stellte.

„Das ist eine wahre Geschichte und sie ist auch schon über dreißig Jahre her. Alles trug sich in einer Stadt namens Neuss am Rhein zu. Vor einer Bäckerei stand immer das fahrbereite alte Fahrrad des Bäckers – so ähnlich, wie ich eines habe. Es stand da schon immer und war auch nicht abgeschlossen.“

AMOS bibberte vor Aufregung.

„… und da wurde dann in der Bäckerei Kakao gestohlen?!“

Opa Hermann lächelte und streichelte ihm über sein Köpfchen.

„Nein. Aber eines Morgens war das Fahrrad weg – geklaut, gemopst, entwendet. Auch am nächsten Tag war es weg und auch am übernächsten. Aber am dritten Tag stand es plötzlich wieder da. Am Lenker baumelte ein Umschlag. Neugierig öffnete der Bäcker den Umschlag. Drin war ein Brief. Jemand entschuldigte sich wortreich, dass er oder auch sie in einer schlimmen Notlage dringend das Fahrrad nehmen musste. Es gab keine andere Wahl. Als kleine Entschädigung waren da noch zwei Eintrittskarten für ein wunderschönes Konzert. Der Bäcker und seine Frau freuten sich sehr, machten sich schön und gingen zu diesem wundervollen Konzert.”

AMOS schwitzte vor Aufregung. „Und das war jetzt der Krimi?“

„Nein – als sie nämlich bei bester Laune und einem guten Essen danach heimkehrten, war ihre Wohnung komplett ausgeraubt.“

AMOS glaubte, verstanden zu haben, fragte aber noch einmal mit ein paar Tränchen in den Augen nach.

Ja, solche Krimis wollte er mit Opa Hermann schreiben.

Manager Training

Samstag, 15. August 2009
von Ernst-Caspar und Polarfux

Die schöne Jahreszeit war endgültig vorbei, aber von Opa Hermann auf dem Fahrrad-Anhänger gefahren zu werden, machte AMOS doch sehr viel Spaß. Eine Decke lag drin und er hatte seinen roten Schal umgebunden. So genoss er die Fahrt und ließ sich ab und an zu einem wohligen „Mäh“ hinreißen. Grün beruhigt ja bekanntlich und Ostfriesland hat ja nun einmal viel davon.

Etwas weiter zeichnete sich ein kleines Tannen-Wäldchen ab, das AMOS eigentlich gar nicht so mitbekam, weil er sich halt dem Genuss hingab, so richtig schön bemuttert zu werden. Es waren prächtige Tannen, die viel älter sicherlich auch gar nicht wurden, wenn er Opa Hermanns Schilderungen der Natur um uns herum richtig verstanden hätte, doch etwas ließ ihn ruckartig zusammen fahren, so dass er fast vom Fahrrad-Anhänger geplumpst wäre.

„Opa Hermann, Opa Hermann, halte an! Da oben ist etwas in den Bäumen!“

Opa Hermann stoppte wirklich und drehte sich zu dem kleinen Piratenschaf um. Er war so schön in einem Fahrt-Rhythmus gewesen und nun diese Zwangspause?

„AMOS, nun mal im Ernst. In einem Tannenbaum sind oben Tannenzapfen und die dürfen da auch sein. So ist das nun mal in einem Tannen-Wald.“

AMOS war schon wieder ein wenig beleidigt und guckte etwas piratiger als sonst – meinte er jedenfalls. „Die kenne ich doch und die meine ich nicht. Da oben in den Bäumen sind Leute!“

Diesmal stieg Opa Hermann vom Rad und guckte AMOS skeptisch an. Als er dann auch auf blickte, sah er einzelne Männer mit Seilen und Helmen in den Baumwipfeln. Nun war er doch auch ziemlich erstaunt, denn alles ergab keinen Sinn. Hinter ihnen war ein sportlicher Mittvierziger aufgetaucht, der ebenfalls einen Helm trug, eine Trillerpfeife zwischen den Zähnen hielt und ein Klemmbrett wie ein Schild vor seiner Brust hielt.

„Verschwindet!“, war sein liebloser Kommentar und dann schaute er auch wieder nach oben.

„Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf und das ist Opa Hermann. Wir suchen meine lieben Piratenfreunde. Hast Du sie vielleicht gesehen?“ Dem unhöflichen Fremden fiel die Trillerpfeife aus den Zähnen.

„Und das hier ist ein konzentriertes Outdoor-Managertraining der kostenintensiven Art. Und deshalb verschwindet Ihr besser.“

Diesmal war es Opa Hermann, der neugierig fragte. „Und was suchen sie da oben?“

„Sie suchen nichts – sie finden sich selbst, ihre Grenzen, den Bezug zur Umwelt und zur Realität.“

„Und zu Tannenzapfen?“ fragte AMOS.

Ärgerlich drehte der der Rädelsführer zu ihm. „Darum geht es nur sekundär. Es ist die Sinneserweiterung, endlich etwas grünes anzufassen.“

„Aber Tannenzapfen liegen doch auch auf dem Boden“, gab AMOS nicht auf „und grün ist doch vieles in Ostfriesland.“

Mit einem lauten Plumpsen war einer der Angeseilten Sinnessucher aus dem Baum gefallen und hing nun mit einem hoch gezogenen Bein in einem Ameisenhaufen, der aber Gottlob von seinen Bewohnern schon lange verlassen worden war.

„Minuspunkte – Minuspunkte Dr. Schreller. So geht das nicht. Sie müssen diesen Baum schon lieben. Nur so bezwingen sie ihn.“

Opa Hermann löste das Seil von seinem Bein und half ihm auf. Beschämt klopfte der so getadelte die Tannennadeln aus seiner Outdoor-Kluft und gelobte mehr Konzentration auf das Wesentliche.

„Komm, wir müssen weiter, bevor der nächste uns aufs Fahrrad fällt.“ Opa Hermann trat in die Pedalen und AMOS kam von diesem Eindruck nicht los.

„Was wollten die denn mit den Tannenzapfen?“

„Nein, die sammeln keine Tannenzapfen, die wollten nur mal ausprobieren, wie gut sie sind.“

„Beim Tannenzapfen-Zählen vielleicht?“

„Nein, auch nicht. Das sind so Manager, die zahlen sehr viel Geld für neue Eindrücke. Anschließend behaupten sie, dass sie unglaublich viel gelernt haben. Schon allein, weil dieser Lehrgang sehr teuer ist.“

AMOS dachte angestrengt nach. „Aber die hätten doch viel mehr davon, wenn sie hier auf dem Anhänger säßen und grün ist es hier auch überall. Weißt Du was? Wir legen ein paar Tannenzapfen auf die Decke, setzen zwei Manager hier rein und fahren sie durchs Grüne.“

Opa Hermann runzelte die Stirn. „So dumm ist diese Idee gar nicht. Ich fahre dann über ein paar Steine, damit sie sich ordentlich festhalten müssen. Wenn wir sagen, dass wirklich nur zwei Plätze im Anhänger frei sind, dann meinen sie auch, es ist etwas besonderes. Siehst Du – so kann man Geld verdienen und Leute glücklich machen, die sonst gar nicht mit uns reden würden.“

AMOS strahlte. „Aber eine Augenklappe müssten sie dann neben den Tannenzapfen auch bekommen.“