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AMOS hat Bescherung

Donnerstag, 24. Dezember 2009
von Mischar Jung

„Eine neue Augenklappe! Lieber Opa Hermann, das ist ja sooo toll, das Geschenk. Da steht ja sogar was drauf.“

AMOS machte Luftsprünge. Das war wirklich eine tolle und überaus piratige Augenklappe. Peckschwarz war sie und sie hatte ein wirklich gefährlich aussehendes Muster an der Seite. Vorne auf der Klappe waren Buchstaben aufgestickt. Opa Hermann las dem gelockten Vierbeiner langsam jeden Buchstaben vor.

„A – M – O – S steht da drauf. Und zusammen ergibt das Deinen Namen, mein kleiner Freund.“

AMOS kullerten hunderte Freudentränen herunter. So ein schönes Geschenk hatte er noch nie erhalten. Er war das glücklichste Piratenschaf auf der ganzen Welt. Auch das einzige. Aber das wusste er nicht.

„Avalott-Mäh!“ blöckte AMOS, so dass der Ofen schäpperte und der Baum vor Schreck ein paar Nadeln verlor. „Bitte Opa Hermann. Kannst Du mir die neue Augenklappe umbinden? Direkt neben meine alte?“

Opa Hermann stutzte. „Aber mein lieber Pirat, dann kannst Du doch gar nichts mehr sehen.“

„Ach was. Das geht schon. Der blinde Onnen hat auch immer zwei Klappen auf und kommt auch klar.“

Opa Hermann tat nichts lieber, als seinem zotteligen Freund den Gefallen zu tun, war aber schon gespannt, was passieren würde. Kaum hatte AMOS beide Augenklappen auf, rannte er los, ohne nachzudenken. Er war ja auch ein Schaf und daher belämmert. Nur mit Glück konnte der Weihnachtsbaum ausweichen und auch der Igel Jupp konnte sich mit einem beherzten Sprung aus der Affäre ziehen.

Mit einem lauten Jippieh steuerte AMOS auf die Tür zu, nichtsahnend ob ihres geschlossenen Zustandes.

SCHAPENG! Das Piratenschaf sah gar nicht mehr piratig aus, als es gegen die geschlossene Tür schwadronierte und wie ein plumper, nasser Sack auf seinem Hinterteil landete. Weh tat es nicht. Opa Hermann und AMOS lachten herzlich und der Igel Jupp wunderte sich nur und fraß genüsslich weiter.

Fröhliche Weihnachten!

AMOS kann es nicht erwarten

Donnerstag, 24. Dezember 2009

von Mischar Jung

„Opa Hermann?“

Der alte Mann zuckte erschrocken zusammen, als AMOS plötzlich hinter ihm stand. Er war gerade dabei, ein Weihnachtsgeschenk für seinen zotteligen Piratenfreund zu verpacken und fühlte sich ertappt. Es sollte doch eine Überraschung werden.

„AMOS, Du hast mich erschreckt. Was willst Du jetzt hier? Geh wieder raus. Ich muss noch was verpacken.“

AMOS senkte sein Köpfchen und neigte es traurig ein weing zur Seite, so dass man nicht sehen konnte, wie sich einige Kullertränen in seinen schwarzen Augen bildeten. Er zog eine Schnute.

„Aber mir ist doch kalt Opa Hermann. Ich will doch nur ein wenig vor dem Ofen sitzen und mir die Füße wärmen. Der Igel Jupp sitzt ja auch da und pennt, weil er sich mal wieder den Wanst vollgeschlagen hat.“ AMOS fing ein wenig an zu schluchzen und nach Luft zu jappsen.

„Mein lieber kleiner Pirat. Nur fünf Minuten. Ich will Dir ja nicht die Vorfreude auf Dein Weihnachtsgeschenk nehmen. Ich will das gerade verpacken und Du sollst nicht sehen, was es ist. Also weine nicht und geh noch mal kurz raus. Ich rufe Dich, wenn ich fertig bin.“ Opa Hermann strich ihm liebevoll über das Köpfchen, trocknete ihm die Tränchen und setzte die Augenklappe zur Abwechslung auf das andere Auge.

Ein Glänzen schoss in die Augen des gefährlichen Piratenschafs und es hüpfte wieder vergnügt auf allen vieren durch den Raum und zur Tür hinaus. „Opa Hermann schenkt mir was zu Weihnachten! Opa Hermann schenkt mir was zu Weihnachten! Juppdiduppdidu!“

Der alte Mann schüttelte verwundert den Kopf über die Tatsache, wie schnell die Stimmung bei Piratenschafen umschwingen kann und fuhr fort, das Weihnachtsgeschenk für seinen treuen Wegbegleiter zu verpacken. AMOS wird sich sicher darüber freuen, wie ein Schneekönig, dachte er sich.

Zwei Minuten später war das Geschenk verpackt und er rief nach AMOS, er könne wieder herein kommen.

„Was krieg ich denn? Was krieg ich denn? Bitte bitte sag’s mir doch!“ AMOS tippelte aufgeregt auf allen vieren.

„Geduld ist eine Tugend, mein kleiner Pirat. Geduld ist eine Tugend. Ein paar Stunden musst Du noch warten. Um 18.00 Uhr gehen wir beide ein wenig spazieren und schauen in die Fenster der Nachbarn, wie sich ihre Kinder über den geschmückten Weihnachtsbaum und die Geschenke freuen. Dann gehen wir wieder heim und schauen nach, was so alles unter dem Baum liegt, den Du so schön geschmückt hast.“

AMOS seufzte und ein aufgeregtes Schlottern durchfuhr ihn. Sechs Stunden noch warten. Wie sollte er das nur schaffen. Opa Hermann stellte ihm noch eine heiße Schale Kakao hin, die AMOS ruckzuck leerte. Kurz danach übermannte ihn eine heftige Mittagslethargie. Er legte sich zum Igel Jupp neben den Ofen. Beide pennten eine Weile und träumten eine Weile von Engel und Weihnachtsmännern.

AMOS und Erinnerungen an Gert Haucke

Sonntag, 22. November 2009
von Inge Dietrich

„Opa Hermann, erzähle mir bitte eine Geschichte.“

Der väterliche Freund hockte sich neben dem zusammen gekuschelten Piratenschaf und kraulte es im Nacken, woraufhin es genussvoll die Augen schloss.

„Die Inge kannte doch den Gert Haucke sehr gut, der dich übrigens auch sehr gern mochte, nun aber leider im Himmel lebt. Ihr erzählte er einmal folgende Geschichte:

Auf der Bühne und im Fernsehen musste er ab und an Anzüge und eine Krawatte tragen, was er als privater Mensch hasste. Dementsprechend sah er eben im Freizeitbereich ganz anders aus, so dass man ihn oft nicht erkannte, was sicher auch eine Absicht war.

Irgendwann beschloss seine Mutter, die auch nicht unbedingt arm gewesen sein musste, ihm zu Weihnachten eine Krawatte zu schenken – ungeachtet, ob er das auch so wünschte. Sie ging also in einen Herren-Ausstatter und sah sich die Kollektion an, die pro Stück achtzig D-Mark kosteten und erschrak sichtlich. ‘Sie brauchen ja nicht kaufen, gnädige Frau,’ bemerkte der smarte Verkäufer. ‘Nein – ich will ja, nur kann ich mich nicht zwischen den beiden entscheiden’

Im Endeffekt kaufte sie beide, legte aber unter zumindest gespielten großen Schmerzen jede Mark einzeln neben die Kasse.

Gert Haucke hatte nun die Aufgabe, sich zu freuen und als er und seine Frau zu Weihnachten eingeladen wurden, überwand er sich und trug eine der zwei, was die Mutter auch sofort registrierte.

Freudig begrüßte sie mit den Worten: ‘Ach – die andere Krawatte mochtest du wohl nicht?!’”

Opa Hermann musste selbst lachen, aber dieses leise, denn AMOS, den Gert Haucke wirklich gern gemocht hatte, schlummerte mit gleichmäßiger Atmung.