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AMOS im Krimiland – Teil 3

Sonntag, 18. Oktober 2009

von Per Inradi

„Hey – mein kleiner gefährlicher Krimi-Autor. Ich habe noch etwas für dich.“

AMOS sah skeptisch von seinem Kakaoschälchen zu Opa Hermann hoch. „Eine neue Geschichte? Du meinst was richtig kriminelles?“

„Ja – und nun höre gut zu. Es ist schon eine Zeit her. Auf einem Parkdeck in Frankfurt stand eine sehr gut aussehende und elegante junge Frau verzweifelt neben einem teuren Sportwagen. Sie war in heller Aufregung. Ein Bekannter von mir kam hinzu. Sie flehte ihn an, ihr zu helfen, weil sie ihren Autoschlüssel bei einem Seitensprung vergessen habe, nun aber schleunigst nach Hause müsse. Mein Bekannter war auch kein unbeschriebenes Blatt, fühlte sich als Kavalier angesprochen und geschmeichelt. Er grinste und bot an, den Wagen zu knacken und kurz zu schließen. Die junge Dame war überglücklich und sauste davon. Wenig später kam ein dicklicher Unternehmer und schimpfte wie ein Rohrspatz, denn sein Wagen war weg. Als die Polizei kam, musste mein Bekannter zu geben, dass er ihn aufgebrochen und fahrbereit gemacht hatte.“

AMOS rollte mit dem unverdeckten Auge. „Das war sehr spannend, aber ich habe es leider nicht verstanden.“

Opa Hermann setzte sich zu ihm.

„Also, AMOS, noch einmal von vorn und ganz langsam. In Frankfurt steht ein Parkhaus. Klar?“

Das gefährliche Piratenschaf nickte.

„Und da ist folgendes passiert…“

AMOS und was Schafe so mitbekommen

Dienstag, 1. September 2009
von Rainer Dietrich

„Kannst Du mir die Augenklappe jetzt doch auf wieder zurück über das rechte Auge binden?“

Opa Herrmann legte knurrend die Zeitung beiseite. „Du weißt aber auch nicht, was Du willst. Erst links, dann rechts. Andere wären froh, wenn sie zwei gesunde Augen hätten.“

„Aber ich bin…“ AMOS rümpfte die Schafsnase „… ein gefährliches Piratenschaf!“

„Wissen wir doch.“, vollendete Opa Herrmann seufzend den Satz.

Das tat weh und AMOS wollte jetzt ganz lange nicht mehr mit ihm reden.

„Ein Fernseh-Team ist hier in der Region. Sie suchen ehrliche Szenen aus dem ostfriesischen Leben, die man dann in ganz Deutschland sehen kann. So schlecht ist das doch nicht. Oder möchtest Du nicht, dass da etwas Reklame für Deine Heimat gemacht wird?“

Und ob AMOS wollte. Schön, dass diese Leute das überhaupt vor hatten. So vergaß er schnell, dass er eigentlich beleidigt war und bat Opa Herrmann, die Augenklappe dann doch noch schnell auf die nun wieder andere Seite festzubinden.

Als er die Landstraße entlang lief, überlegte er sich auch schon einen tollen Text – falls er überhaupt auf das Fernseh-Team treffen sollte. Halblaut sprach er ihn vor sich her und versuchte, so wenig „mäh“ wie möglich dabei zu sagen. Einige Autos blinkten, streckten fünf Finger aus dem geöffneten Wagenfenster und AMOS grüßte mit einem kräftigen „Avalott – Mäh!“.

Vielleicht meinten sie ja nicht die anderen, ihnen wiederum entgegen kommenden Autos, sondern sie meinten ihn, das gefährliche Piratenschaf? Egal. AMOS hatte gute Laune und trippelte beschwingt weiter in Richtung des nächsten Ortes.

Dicht hinter dem Stamm eines Baumes entdeckte er plötzlich eine Kamera, die auf die Straße gerichtet war. Das dazu gehörige Team saß, etwas dahinter versteckt, in einem dunklen PKW. Sicher hatten sie Pause, denn sie sprachen in irgendetwas hinein – wahrscheinlich in ihr Frühstück.

Nachdem er tief Luft geholt hatte, stellte er sich vor das frei stehende Gerät und hob die Stimme: „Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf und suche meine lieben Piratenfreunde. Wenn Ihr sie gesehen habt, so sagt bitte ganz schnell mir oder Opa Hermann bescheid, der mir das dann sagt. Er fährt mich dann auf seinem Fahrrad-Anhänger ganz schnell dort hin.“

Puh, das war schon mal geschafft und nun legte sich etwas seien Nervösität. „Aber Ihr wollt etwas über Ostfriesland hören, glaube ich mal. Opa Herrmann sagt immer, es sei der ideale Platz, um sich vor der Welt zu verstecken.“ Jetzt machte er eine kleine Verschnaufpause. Im dunklen Wagen bekam man das erst gar nicht mit.

Die Stimme über Funk fluchte: „Schon drei absolut zu schnell. Was macht Ihr denn da. Seid Ihr eingeschlafen? Die hatten mindestens zwanzig zu viel!“

„Es ist nur so, dass wir nicht viel Show in unserer Landschaft gewohnt sind.“ Fuhr AMOS fort. Hier lernt man erst mal zu spüren, was Ruhe sein kann – oder hat man Ihnen etwa etwas anderes über Ostfriesland erzählt?“

„Scheiße auch,“ murmelte der Hauptwachtmeister,“ das glaubt keine Sau. Guck mal, da steht ein Schaf davor und glotzt in die Linse. Es hat etwas schwarzes am Kopf.“

„Ich muss es ja wissen,“ AMOS versuchte, streng zu sprechen. „Ich bin nämlich Ostfriese – glaube ich jedenfalls. Und schönen Gruß an alle, die das hier sehen.“

„Bist Du vielleicht bald mal weg, du blödes Vieh? Fünf Raser sind uns durch die Lappen gegangen.“ Wütend rollte der Oberwachtmeister mit den Augen und AMOS zuckte zusammen. Er war ja noch nicht einmal dazu gekommen, sein Avalott-Mäh zu sagen. Diesmal war er aber wirklich sehr beleidigt und trottete heim.

„Und wo warst Du denn jetzt schon wieder?“, wollte Opa Hermann wissen.

„Das Fernseh-Team wollte gar nicht wissen, wie es in Ostfriesland wirklich ist,“ jammerte AMOS und verzog sich unter einer Decke.
„Dann muss man sich auch nicht wundern, wenn es weiter Ostfriesenwitze gibt.“

Im Supermarkt

Sonntag, 19. Juli 2009

„Ich bin …“

Die desinteressiert dreinblickende Kassiererin schaute ins leere …

„Erst den Wagen vor schieben – nach hier!“

AMOS wusste nicht so recht …

„Den Wagen … Iss Vorschrift!“

Einen Moment lang sagte keiner etwas.

„W-a-g-e-n, Einkaufswagen … hierhin. Ich muss da rein gucken!“

„Aber ich habe doch gar keinen Wagen.“

Nun erhob sich die hagere Mittvierzigerin mit dem grauen Perlon-Kittel und blickte über das Laufband. „Und was hast Du nun gekauft?“

AMOS kräuselte die Schafsnase und nahm seinen ganzen Mut zusammen. „Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf und wollte nur fragen, ob Du meine lieben Piratenfreunde gesehen hast.“

„Und im Fell? Was hast Du im Fell?“

AMOS verstand nicht, zuckte aber zusammen, als zweimal geklingelt wurde. Schnell eilte ein nicht sehr großer Weißkittel mit einem lang gezogenen Aaach herbei. „Ach, ach, ach … die neusten Tricks der südosteuropäischen Ladendiebe? Ein Gruß von der EU-Erweiterung? Aber das haben wir doch schnell.“ Zu der Kassiererin gebeugt: „Ist er schon länger hier?“

Ein paar Tränchen konnte AMOS nicht zurück halten. „Ich bin AMOS, ein gefährliches Piratenschaf. Ich suche doch meine lieben Piratenfreunde – und ich bin Ostfriese, glaube ich jedenfalls …“

„Und was haben wir geklaut? Na, Deine Flucht endet wohl hier und jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht. Gleich hier oben steht es schon.“

AMOS sackte zusammen und weinte nun bitterlich. „Ich wollte doch nur …“ blökte er leise.

„Wollen, wollen – so läuft das nicht. Schon in dieser Woche fehlen uns sechs Flaschen von diesem amerikanischen Whiskey.

„Interessant …“, die Kassiererin hatte ein Schild aufgestellt mit dem Hinweis, dass man sich hier nicht mehr anstellen sollte. „Interessant ist doch, was den Typen heute alles einfällt, Chef. Vielleicht trinkt er keinen Borbon, dann ist er eben Ablenkungsmanöver und die karren die Kisten gleich zu mehreren raus. Soll ich die Polizei anrufen?“

Der Filialleiter rieb sich die Adlernase: “Nach Vorschrift, Frau Hickenga, immer nach Vorschrift – was denn sonst?“

Ein Passat mit Blaulicht hielt direkt vor dem Eingang. Zwei Herren in modischem grün bahnten sich einen Weg durch die entsetzten Hausfrauen. Die Polizeibeamten umringten AMOS mit vorbehaltlich zwei gezückten Handschellen. Der jüngere meinte anmerken zu müssen, dass die dünnen Beinchen da wohl durch flutschten. Diese Peinlichkeit überspielte der ältere: „Und Du trinkst nun gerne teuren Bourbon?“

AMOS verstand auch diesmal wieder nichts.

Zu seinem Kollegen gewandt: „Wie können wir den denn abführen – und wie bekommen wir denn die Personalien heraus?“

AMOS stampfte mit dem Huf und sagte trotzig : „Ich bin AMOS … und Ostfriese!“

Die beiden Beamten wandten sich ab, tuschelten. Eine fatale Situation. Besteht Gefahr im Verzug von einem Lamm? Die Flucht wurde ja bereits vereitelt. Diebesgut konnte auch nicht sicher gestellt werden. Und nun? Kleine Kinder kreischten, eine ältere Dame wollte ihm über das niedliche Köpfchen streicheln und ihm bei dieser Gelegenheit die Augenklappe wieder richten. Jemand wollte den Lokalreporter anrufen. Da kam dem Dienstälteren die erleuchtende Idee!

„Wie kommt ein Piratenschaf in Ihren Supermarkt, Herr Filialleiter? Das ist doch gegen alle Gesetzgebung, muss ich mal feststellen!“

Ertappt errötete der angesprochene, rang nach Luft, wedelte mit den Armen und wandte sich zur Kassiererin, deren siegessichere Miene nun auch verblasste. „Diese Frage gebe ich gleich an Sie, Frau Hickenga, weiter. Das ist so eine unglaubliche Sache, dass es einer Abmahnung würdig ist. Ich schäme mich im Namen des Vorstandes. Stellen Sie sich nur vor, ein Journalist wollte hier etwas kaufen – per Zufall!“

„Na, amerikanischen Whiskey haben wir ja nicht mehr …“, stotterte die angeraunzte.

„Und Du, mit Deiner Augenklappe, verschwindest auch mal schnell von hier.“

AMOS wollte noch fragen, ob vielleicht die Polizisten, oder jemand der gaffenden Kunden seine lieben Piratenfreunde gefunden hatten. Er tat es nicht und schlich durch den Ausgang, sah sich noch einmal die Einkaufswagen an, die ja so wichtig zu sein schienen. Als er um die Ecke hoppelte, stolperte er fast über einen Karton mit sechs Flaschen amerikanischen Bourbon Whiskey.

Nur schnell weg hier – und außerdem mochte er ja sowieso viel lieber Kakao.