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AMOS und das Pflege-Angebot

Montag, 22. Februar 2010
von Per Inradi

Das Schweigen dauerte nun schon bald eine Minute.

Den fragenden Blick der glutäugigen Dame mit dem kessen Pferdeschwanz wäre er gern ausgewichen, aber nun stand er ja bereits mitten im Ladenlokal.

„Das stimmt schon“, bemerkte sie mit gerunzelter Stirn. „Wir haben heute wirklich eine kostenlose kosmetische Behandlung für den an Gesichtspflege interessierten Herrn.“

Dann nahm sie ihm kopfschüttelnd und zögernd die Augenklappe ab und legte sie so behutsam an die Seite, als interessiere sich die Spurensicherung der Kriminalpolizei dafür. Sie war ja auch nicht wirklich sauber, aber Morgen würde er eine frische tragen.

„Aber ein Schaf? Egal – Ein Versprechen ist ein Versprechen, mein kleiner Herr.“

„Gefährlich“, plapperte der selbsternannte Held verlegen „und sonst – ich meine nicht heute – bin ich sehr gefährlich. AMOS, das gefährliche Piratenschaf nämlich.“

Sie sah mit viel sagendem Blick auf die Uhr und rührte eine Quark-Ginseng Maske an, die sie alsbald auftrug. Zwei Gurkenscheiben verdeckten AMOS Augen und er hielt ganz still, obwohl er eigentlich einmal austreten musste. Aber es war herrlich auf eine ganz andere Art.

Es wurde ein wenig massiert, gezupft und auch eingesprüht. Mehrmals murmelte er ein anerkennendes „Ah“ und dann ein „Oh“. Derlei ließen also Stars und Manager mit sich machen?

Die Zeit verging wie im Flug. Die Augenklappe wurde sorgsam mit spitzen Fingern auf das andere Auge gebunden.

„Beehren sie uns vielleicht bald wieder,“ grinste sie „und empfehlen sie uns weiter, Herr Pirat.“

Strahlend vor Stolz verabschiedete sie AMOS mit einem tiefen Diener. Nun musste er aber wirklich mal dringend Pipi.

Zu Hause lehnte Opa Hermann bereits an der Gartenpforte. „Sag mal, AMOS, wo warst du denn so lange?! Fast wäre mir dein Kakao übergekocht.“ Er ging voraus in die gute Stube, drehte sich dann aber irritiert um.

„Irgendwas riecht hier jetzt ganz seltsam.“

AMOS und die Presse

Dienstag, 2. Februar 2010
von Lisa Ringen

Es ließ AMOS einfach keine Ruhe.

Unruhig trippelte er durch die Küche und wäre beinahe über Igel Jupp gestolpert, der seinen Winterschlaf ausnahmsweise unterbrochen hatte, um sich in Opa Hermanns Küche ein wenig die kurzen Beine zu vertreten und ein paar Tropfen Kakao zu schlürfen.

Immer wieder sprang AMOS mit den Vorderhufen auf den Fenstersims, legte sein Köpfchen ab und starrte vornübergebeugt mit leicht zusammengekniffenem Auge hinaus in das winterliche Schneetreiben vor der Kate.

Opa Hermann faltete die Tageszeitung ordentlich zusammen, setzte behutsam seine Lesebrille ab und legte beides vor sich auf den Küchentisch.

„AMOS, was ist los? So hibbelig habe ich dich ja schon lange nicht mehr gesehen.“

AMOS sprang mit einer halben Drehung vom Fenstersims und landete routiniert auf allen vier Hufen.

„Die lassen sich aber ganz schön Zeit. Muss wohl am ollen Glatteis liegen“ mutmaßte AMOS, während er zu Opa Hermann an den Tisch trat. Der verstand erst mal nur Bahnhof, denn soweit er wusste, erwarteten sie keinen Besuch.

„Würdest du mir bitte meine Augenklappe auf das andere Auge binden? Rechts ist nämlich meine Schokoladenseite.“

„Aha. Von wem hast du das denn?“, wunderte sich Opa Hermann und löste bereitwillig die Schleife von AMOS Augenklappe.

„Von der großen Schwester der kleinen Neele. Die hat auch eine Schokoladenseite, aber ich weiß nicht mehr genau welche.“

AMOS freute sich insgeheim, Opa Hermann zur Abwechslung etwas erklären zu können. „Die kann man aber nicht essen“, fügte er eilig hinzu, um ihn nicht unnötig irrezuleiten.

Opa Hermann, der nicht wusste, welche Gesichtshälfte seine Schokoladenseite war, aber durchaus mit dem Begriff etwas anfangen konnte, interessierte vielmehr, wen AMOS eigentlich zu Besuch erwartete.

„Für wen willst du dich denn von deiner besten Seite zeigen?“

AMOS freute sich, dass Opa Hermann die Sache mit der Schokoladenseite anscheinend verstanden hatte und wollte ihn natürlich nicht länger im Dunklen tappen lassen.

„Ich warte“, räusperte er sich blökend „auf die Väter.“

„Die Väter? Welche Väter denn nun? Neeles Vater?“ Auf andere „Väter“ konnte sich Opa Hermann in diesem Moment partout keinen Reim machen.

„Nein, nein, die italienischen Väter natürlich!“

„Die italienischen Väter?“

„Ja, ja, ja, die mit den Kameras und den Blitzen!“ AMOS sprang aufgeregt, die Augenklappe nun auf dem linken Auge, vor Opa Hermann auf und ab. Er musste sich ein trotziges Aufstampfen mit dem Huf wirklich verkneifen, denn Opa Hermann hatte das nicht so gerne. Endlich war der Groschen gefallen und Opa Hermann lachte glucksend.

„Du meinst die Paparazzi! Das müssen aber nicht unbedingt Väter sein.“

„Ja, genau, die meine ich! Neeles große Schwester hat gesagt, wenn Paparazzi wüssten, dass es bei uns im Dorf ein enorm gefährliches Piratenschaf lebt, dann hätten würden die bestimmt kommen, mich fotografieren und in die Regenbogenpresse stecken. Und jetzt warte ich schon den ganzen Vormittag.“

AMOS konnte nicht verstehen, was Opa Hermann daran so lustig fand und ärgerte sich ein bisschen.

„Weißt du eigentlich, was die Regenbogenpresse ist?“ wollte Opa Hermann wissen.

„Nicht genau, aber sie tut wohl nicht weh und ist ganz bunt. Eine heißt sogar so: BUNTE. Wenn man da drin ist, dann ist man eine Zeit lang ein Star.“

„Die Regenbogenpresse wird auch Klatschpresse genannt. Das sind Begriffe für bunte Zeitschriften, aus denen man Klatsch und Tratsch aus der Welt der Prominenten und Möchtegern-Prominenten erfährt. Für ein einzigartiges, enorm gefährliches Piratenschaf ist das nichts.“ Opa Hermann legte seine Hand beschützend auf AMOS Köpfchen. „Dafür bist du mir viel zu schade, mein guter AMOS.“

AMOS senkte seinen Blick verlegen auf den Küchenboden und malte mit dem linken Vorderhuf die Kacheln des Küchenbodens nach. Opa Hermann hatte anscheinend Verlustängste, soviel verstand der kleine, belämmerte AMOS.

„Opa Hermann, bitte überlege es dir noch mal, ja? Wenn die Paparatten kommen und mich zum Star machen wollen, kannst du ihnen ja sagen, dass ich gerne ein Piratenschaf bin und auch nicht ewig ein Vogel bleiben will.“